Knaben in fremden Gefilden

Frankfurt - Für den Dresdner Kreuzchor bedeutet das aktuelle Tournee-Programm eine Grenzerfahrung. Von Axel Zibulski

Opernnaher Katholizismus statt der vertrauten protestantischen Kirchenmusik-Tradition: Giacomo Puccinis frühe „Messa di Gloria“ erklang in der Alten Oper Frankfurt ebenso wie geistliche Musik von Antonio Vivaldi und dem jüngsten Bach-Sohn Johann Christian, der vor der Übernahme der Organisten-Stelle am Mailänder Dom zum katholischen Glauben konvertierte. Dass die Knaben, geleitet von Kreuzkantor Roderich Kreile, dem Gestus der Werke nur eingeschränkt gerecht wurden, dürfte freilich eher an deren Nähe zum Musikdrama gelegen haben.

Dabei stimmten beim Pro-Arte-Konzert die Bedingungen: In der „Messa di Gloria“ erlebte man mit Virgil Hartinger einen prächtigen Tenor, mit Thomas Laske einen vorzüglich volltönenden Bariton und mit dem Konzerthausorchester Berlin ein sängerfreundlich dezentes und doch dramatisch pulsierendes Orchester. Der Kreuzchor jedoch sang mit einer ziemlich braven Schüchternheit, die dem opernhaften Charakter kaum gerecht wurde – die opulente Schlussfuge des „Gloria“ beispielsweise blieb allzu matt, der ensemblehafte Wechselgesang zwischen Bariton und Chor ohne gleichsam szenischen Elan, bereits im eröffnenden „Kyrie“ klangen gerade die Chor-Soprane ungenau.

Den stärksten, vokal kultiviertesten Eindruck hinterließ der Kreuzchor in der a cappella gesungenen, seinem Kernrepertoire entstammenden Zugabe „In dulci jubilo“. Zuverlässig gestaltet war eingangs das für zwei vierstimmige Chöre und Orchester gesetzte Magnificat C-Dur von Johann Christian Bach. Und im erst spät, nämlich um 1930, wiederentdeckten „Gloria“ D-Dur von Antonio Vivaldi verstand sich der Kreuzchor vor allem als unauffällige Ergänzung zu den exponierten Solostimmen: Sopranistin Ania Vegry und Mezzosopranistin Cornelia Salje sangen ihre Partien mit jenem Nachdruck, jener Gestik und Lebendigkeit, die sich bei dieser Programm-Expedition nicht vermitteln wollten.

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