Königin der dosierten Spöttelei

Frankfurt - Annett Louisan ist nicht auf den Mund gefallen, das ist bekannt. Von Maren Cornils

Dass die Powerfrau mit der ihre Körpergröße Lügen strafenden Rockröhre auch ein echtes Entertainment-Talent besitzt, bewies sie in der Alten Oper Frankfurt, wo sie mit ihrer neuen CD „In meiner Mitte“ gastierte. Was Louisan im Gepäck hat, klingt weniger nach wohldosierter Ironie, als nach Aufbruch zu neuen Ufern. So überrascht die Chanteuse mit einfühlsamen Balladen, temporeichen, an Klezmer, Tango oder Chanson orientierten Rhythmen und jeder Menge Gefühl.

Von Abscheu „Torsten Schmidt“ über abgrundtiefe Trauer „Ende Dezember“ bis hin zu Stolz „Würdest Du?“ reicht die Palette der Emotionen, die dieses umwerfende Persönchen ihren Zuhörern serviert. Dass im Großen Saal so etwas wie Wohnzimmeratmosphäre aufkommt, liegt daran, dass Louisan es versteht, ihrem Auftritt eine intime Note zu verleihen. Nach nur zwanzig Minuten entledigt sie sich ihrer Highheels und pilgert durchs Publikum.

Inspirationen sind der aktuellen Platte anzumerken

Mit erfahrenen Sängerinnen und Songschreiberinnen wie Annette Humpe und Ulla Meinecke oder auch dem Satiriker Wiglaf Droste hat Louisan gearbeitet, und diese musikalischen Inspirationen sind ihrer aktuellen Platte anzumerken. Eine Neuausrichtung, die der Sängerin gut tut. Den mädchenhaften Charme hat sie sich erhalten, gleichzeitig aber an Tiefe gewonnen.

Auf witzige Texte brauchen ihre Fans dennoch nicht zu verzichten. Im Gegenteil. Ob „Pärchenallergie“, „Mama will ins Netz“ oder „Die Katze“ – immer wieder erweist sich Louisan als Königin des Doppelbödigen wie des wohl platzierten Spotts. Und Louisan beherrscht das Spiel mit den Klischees – mal kehrt sie mit Schmollmund und gekonntem Augenaufschlag das Mädchenhafte heraus, dann wieder macht sie auf selbstbewusst und emanzipiert.

Andere Seiten zieht Louisan im melancholischen „Patamm“ auf, das die Sängerin nach eigener Aussage lange mit sich herumgetragen hat, bis es reif für die Veröffentlichung war. Oder auch in „Ende Dezember“, einer bittersüßen Ballade, die sich bei aller Verzweiflung als Liebeserklärung an das Leben erweist. Sie beschreibt Gefühle und Erlebnisse, wie sie jeder kennt. Und genau dieses Alltägliche kommt an.

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