Königlicher Auftakt

Frankfurt - Ein kraftvoller Beethoven, vom Klaviersolisten Yefim Bronfman weichgespült, und ein märchenhafter Orchesterklang in Rimsky-Korsakows „Scheherazade“: Das Koninklijk Concertgebouworkest aus Amsterdam gewann zum Auftakt des „Auftakts 2011“ in der Alten Oper Frankfurt an Profil. Von Klaus Ackermann

Auch Dank des raumgreifenden Dirigats von Andris Nelsons.

Nelsons ist ein Ganzkörper-Dirigent, der wohl am liebsten über den einzelnen Instrumentengruppen schweben würde, um ihnen möglichst nahe zu sein. Das ergibt schon in Beethovens Ouvertüre G-Dur zu „Die Ruinen von Athen“ einen ungemein kompakten, spannenden Vollzug. Ein dunkler Streicher-Einstieg, abgelöst von einem dramatischen Befreiungsschlag und mittendrin ein an Mozart erinnernder Türkenmarsch - schnell rauscht der Beethoven vorüber, den Konflikt zwischen Griechen und ihren türkischen Belagerern thematisierend.

Während Bronfmans improvisatorischer Einstand ins energetische Beethoven-Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur schon die Richtung vorgibt. Da ist viel Pedal-Qualm im virtuosen Akkord-Getriebe. Umso deutlicher wirkt der Romantik-Aspekt in den lyrischen Seitenthemen, die der in Israel lebende Russe mit differenziertem Anschlag förmlich zu streicheln scheint.

Niederländische Orchestervirtuosen

Beim spannungsvollem Übergang scheint der Klavierklang förmlich zu erstarren, ehe nach behutsamem Vortasten das Synkopen-gespickte Rondo-Thema sich breit macht, die stilistische Oberhoheit bei Nelsons und dem niederländischen Spitzenorchester. Erst in der Zugabe, Chopins vierte Etüde aus Opus 10, spielt Bronfman so zielstrebig trocken auf, wie man sich stellenweise auch das Beethoven-Konzert gewünscht hätte.

Klangpracht pur dann in der Sinfonischen Suite zu „Tausendundeine Nacht“, bei der Scheherazade dem Sultan, der seine Gespielinnen nach Liebesnächten zu töten pflegt, Geschichten erzählt, die für sie lebensrettend sind. Auch ein Qualitätsnachweis der niederländischen Orchestervirtuosen, allen voran ihr Konzertmeister Veko Eschkenacy, der mit dem stets wiederkehrenden Scheherazade-Thema ein Violinkonzert absolviert, technisch brillant und mit angenehmer klanglicher Duftnote.

Während das tiefe Blech den polternden, aber immer zufriedener erscheinenden Sultan charakterisiert, Fagott und Klarinette die orientalische Anmutung befördern (was in eine zackigen Marsch mündet). Während Streicher-Balsam und Querflöten- Arabesken den Ohrwurm-Valse festmachen und hart phrasierendes Blech eine heftige Auseinandersetzung suggeriert. Doch ein letztes gefühlvolles Geigensolo mit aparter Harfen-Garnitur signalisiert Scheherazades Sieg. Draußen vor der Tür verliert sich der Märchenzauber schnell. Denn Frankfurt feiert feste auf der Fressgass, bei noch angenehmen Temperaturen.

Rubriklistenbild: © dpa

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