Koffer voller Süßigkeiten

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Zuckerschnute: Adelmo Fornaciari alias Zucchero im musikalischen Zwiegespräch mit seinem Gitarristen.

Frankfurt - Er sei so süß wie Marmelade und Zucker, soll seine Grundschullehrerin zu Adelmo Fornaciari gesagt haben. Der Spitzname blieb kleben an Zucchero. In Frankfurt hat der italienische Schmuserocker wieder eine dankbare Fangemeinde getroffen. Von Peter Schulte-Holtey

Zwar waren leere Stuhlreihen in der Festhalle unübersehbar, doch die Stimmung sollte nicht darunter leiden. „In Blues we trust – Blues will never die“, lautet sein Credo. Und das machte er immer wieder deutlich, mit rauchiger Charakterstimme.

„Chocabeck“, der Titel seines Albums, ist ein Wort, das Zucchero aus seiner Kindheit kennt. Wenn er sonntags seinen Vater fragte, was es denn Süßes gäbe, bekam er zur Antwort „es gibt Chocabeck“. Ein Begriff, der sich nicht, wie vom kleinen Adelmo erwartet, in leckere Süßigkeiten verwandelte, sondern nur eine Illusion blieb.

Ein überdimensionaler Koffer öffnet sich langsam – darin sitzt Zucchero auf goldenem Sessel. Der Sänger trägt, wie fast immer, einen Hut, unter dem die Zottelmähne hervorlugt, Licht in Blau und Pink strahlt auf ihn. Zwei Stunden bietet er mit seinen elf Musikern eine erstaunliche Mischung aus Rock, Soul, Blues, und Pop. Beim vierten und fünften Stück, dem groovigen „È un peccato morir“ und dem rhythmischen „Vedo nero“, kommt erstmalig Tanzstimmung auf. Zucchero tänzelt, die Fans stehen vor ihren Stühlen, beklatschen die ersten rockigen Minuten, die gleich darauf von Balladen, von sehr emotionalen Stücken unterbrochen werden. Mit den eigenen Liedern, er trägt fast das gesamte Album vor, träumt er sich in die Vergangenheit, erinnert an die Landschaften und ans Leben in den Hügeln der Emilia Romagna. Bereits der Titelsong von „Chocabeck“ gibt diese Richtung vor.

Zucchero lässt sich treiben - zwischen zartbitter, schokosahnig und rockig. Auf der Videoinstallation flattern bunte Schmetterlinge, weiße Tauben gurren. Vielleicht gibt es ein wenig zu viel Süßes, doch vor allem für die vielen Fans mit italienischen Wurzeln ist es wohl genau die richtige Mischung.

Am Ende badet die Menge in „cremiger Leidenschaft“, bevor sich der Koffer nach „Per colpa di chi“ unter Konfettiregen wieder schließt. Vor allem seine mit Filmsequenzen in Szene gesetzten Hits wie „Misere“, den er 1992 gemeinsam mit Luciano Pavarotti aufgenommen hat, bleiben in Erinnerung. „Senza una donna“, „Diamante“ oder „Cosi celeste“ – Zucchero beschert Gänsehaut-Gefühle.

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