Anu Komsi in der Alten Oper

Koloraturen für eine Könnerin

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Die Sopranistin Anu Komsi spielte in der Alten Oper.

Frankfurt - Unter finnischen Vorzeichen stand das Konzert des hr-Sinfonieorchesters. In der Alten Oper gaben Dirigent Sakaro Oramo und seine Ehefrau, Sopranistin Anu Komsi, den guten Ton an. Von Klaus Ackermann

Darunter die Uraufführung „Voice verser“ ihres Landsmanns Jukka Tiensuu sowie impressionistisch geprägte Werke von Sibelius, Szymanowski und Debussy, die viel Farbe in ein Programm der etwas anderen Art brachten. Für den 1948 in Helsinki geborenen Tiensuu machen sich Oramo und die hr-Sinfoniker besonders stark. So ist „Voice Verser“ ein Auftragswerk des Frankfurter Orchesters und seines Partners im „SymphoNet“, dem Radio-Sinfonie-Orchester Helsinki, zudem maßgeschneidert für den klaren, ungemein elastischen und dabei gut gestützten Sopran von Anu Komsi.

Ein schwer greifbarer Dreisätzer, bei dem die Frauenstimme wie ein Orchesterinstrument gehandhabt wird, das sich in wilden, in Glissandi übergehenden Koloraturen ergeht. „Desparia“: Das sind Spitzengänge im Pianissimo – Text ist überflüssig, weil zwischen süßem Gezwitscher und leidvollem Gestöhn die Sopranistin ihr Herz auf der Zunge hat. Mit Echo im perfekt begleitenden und voranschreitenden Orchester, das mit zwei Extra-Ensembles (Flöte/ Horn/ Violine, Klarinette/Trompete/ Horn) im Rang kommuniziert.

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„Come“ ist da eine Parodie auf Opernmäßiges, eine Burlesque, bei der Mozarts Königin der Nacht („Zauberflöte“) ihre Koloraturen in spitzes Gelächter überführt, und „Ritti“ (Ritus) eine Art Marsch mit irrlichternder Stimme, emotional in heller Aufruhr, der mit einem „Aaaach“ endet. Schon ein origineller Kauz, dieser finnische Komponist, der weitgehend die Tonalität wahrt, rhythmisch bedachtsam zur Sache geht und gern aus seinem Opernwissen zitiert. Seine hohe kantable Kunst dient der finnische Sopran noch den „Sechs Liedern der Märchenprinzessin“ des die polnische Musik anfangs des 20. Jahrhunderts beflügelnden Karol Szymanowski an, ursprünglich für Gesangsstimme und Klavier geschrieben und vom Komponisten sowie von Oramo für Orchester instrumentiert, wobei die Übergänge fließend sind – so intensiv hat sich der finnische Dirigent in den Tonsatz des Polen eingehört.

Liebe in allen Facetten

Natürlich geht es um die Liebe in all ihren empfindungsvollen Facetten bei diesen Bekenntnissen einer orientalischen Prinzessin. Auch dort wieder Koloraturen vom Feinsten zwischen Arabesken-Zierrat und gefühlsmäßigen Irrungen und Wirrungen, von Komsi so delikat wie spannend durchlebt und vom Orchester feinnervig artikuliert. Vorausgegangen ist Jean Sibelius’ „Tapiola“, sinfonische Dichtung für Orchester und sensible Naturschilderung. Eine Birke, eine Fichte, ein See – der Dreiklang finnischer Landschaft scheint hier in orchestral flüssige Prosa eingegeben. Bei düsterem ostinatem Unterbau, unterschwellig auch ein bedrohlicher Geisterspuk mit giftigen Streicher-Schlieren.

Schließlich Debussys symphonische Skizzen „La Mer“, die große Instrumentierungskunst des französischen Impressionisten ausstellend, an dessen 150. Geburtstag erinnert wird. Die Orchestersektionen scheinen eng verschweißt. Doch bei Orama hat das Zwiegespräch von Meer und Wellen auch unerhörte rhythmische Brisanz. Im Sinne Debussys.

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