Konsequente Klasse

Frankfurt - Die musikalischen Stile weit gefächert, das Niveau konsequent auf Weltklasse: Beethovens Violinkonzert, Strawinskis „Sinfonie in drei Sätzen“, dazu eine Ballett-Suite von Ravel. Von Axel Zibulski

Am ersten Gastspiel-Abend von New York Philharmonic in der ausverkauften Alten Oper begeisterten die Perfektion, die Wandlungsfähigkeit und die enorme Musikalität dieses vor 170 Jahren gegründeten Orchesters.

Wie eine Utopie des Schönen nahm man in der ersten Hälfte des Pro-Arte-Konzerts Ludwig van Beethovens so unterschiedlich deutbares Violinkonzert D-Dur op. 61 wahr. Die fünf Paukenschläge zu Beginn der Orchestereinleitung klangen hier nicht fordernd, nicht auftrumpfend, sondern fast innehaltend und geschmeidig. Denn die Richtung, in die Dirigent Alan Gilbert und Solist Frank Peter Zimmermann ihre Interpretation führten, war eine betont lyrische. Trotz opulenter Streicher-Besetzung klang New York Philharmonic zugleich fein und wendig; Frank Peter Zimmermann, in dieser Saison New Yorker „Artist in Residence“, spielte mit jener Perfektion, auf die man sich bei dem 1965 geborenen Duisburger stets verlassen kann: Ehrlich klang sein Spiel, nie um vordergründige Effekte bemüht, rein sein Ton, niemals zu breit oder vibratolastig; wunderbar ausgehorcht war die wechselseitige Abstimmung. Zimmermanns Zugabe, der langsame dritte Satz aus Johann Sebastian Bach zweiter Solo-Sonate für Violine, schloss sich mit konzentriert-inwendigem Ton vorzüglich an.

Igor Strawinskis „Symphony in three movements“ bedeutete sozusagen ein musikalisches Heimspiel für das Orchester: Vor 70 Jahren, mitten im Zweiten Weltkrieg, hat New York Philharmonic das sperrig-spröde, rhythmisch herbe und enorm vertrackte Werk uraufgeführt – Alan Gilbert, seit drei Jahren Musikdirektor in seiner Heimatstadt, konnte sich auch hier auf die äußerste Präzision verlassen, koordinierte deutlich, aber weit diskreter als beim finalen Klangrausch: Maurice Ravels zweite Orchestersuite aus dem Ballett „Daphnis et Chloé“ gab die Vorlage dafür, samt farbfunkelnder „Pantomime“ und großformatiger Schluss-Apotheose fulminant das offizielle Programm krönend. Nicht weniger sinnlich, mitreißend und genussreich leitete Emanuel Chabriers Rhapsodie „España“ den Zugaben-Teil ein.

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