Bach-Sonaten in Französisch-Reformierter Kirche

Kontrastprogramm

Antizyklisch zu den obligatorischen Gedenkjahren hat Olaf Joksch ein Bach-Quartal ausgerufen. Daran tut er gut; die Jubilare Händel, Haydn und Mendelssohn bekommt das Publikum ja andernorts zu hören. In Offenbachs Französisch-Reformierter Kirche führten Peter Spohr, Traversflöte, die Gambenspielerin Anke Ebel und Joksch am Cembalo Bach-Originale auf.

Ende Juni folgen an gleicher Stelle Bach-Bearbeitungen.

Den größten Teil seines musikalischen Lebens hat Johann Sebastian Bach unter widrigsten Bedingungen zugebracht. Als Musikdirektor, Kapellmeister und Kantor hatte er ein immenses Arbeitspensum zu bewältigen. Einen Ausgleich verschaffte von Ostern 1729 an die Arbeit mit dem aus Studenten zusammengesetzten Collegium Musicum, mit dem Bach allwöchentlich im Café Zimmermann musizierte, einem Ursprungsort des bürgerlichen, von Hof und Kirche losgelösten Musikbetriebs.

Die Programme sind nicht überliefert, es darf angenommen werden, dass einige der im Offenbacher Konzert aufgeführten Kammermusiken für diesen Rahmen geschrieben worden sind. Die Flötensonate in G-Dur geht auf die Orgelsonate Es-Dur BWV 525 zurück, die Gambensonate BWV 1027 wird wie ihre zwei Schwesterstücke immer wieder rabiat von Cellisten vereinnahmt, meist ohne Aussicht auf ein klangliches Gleichgewicht vom Cembalo begleitet. Die „authentische“ Instrumentierung erfreut darum umso mehr. Zusammen mit der Flötensonate in e-Moll BWV 1034 und dem Praeludium in a-Moll BWV 894 ergab sich ein überzeugend durchkonzipiertes Programm.

Interpretatorisch vermochte der ausgeprägte Sinn für Form und Struktur in Einheit mit einem klangsinnlichen Zugang und klug gewählten, nicht zu schnellen Tempi für sich einzunehmen. Die enorme technische Überlegenheit und Geläufigkeit ist beeindruckend, Abstimmungsprobleme schienen die Musiker nicht zu kennen. Mehr kann sich niemand wünschen: Die Interpretationen waren unprätentiös und zugleich von lebendiger Intensität gekennzeichnet. (zik)

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