Streicherfestival

Konzentriert und kantabel konzertiert

Der Draht des Seligenstädter Kulturrings zu den Wettermächten ist gut. Zwar schickte Organisator Franz Preuschoff einen prüfenden Blick gen Himmel, doch auch das Finale im Kreuzgang blieb trocken. Gestaltet wurde es vom Henschel-Quartett mit dem Paizo-Quartett als Gast.

Die Henschels eröffneten mit dem sechsten Satz aus Manfred Trojahns „Lettera amorosa“. „Chant d’insomnie III“, einziges reines Quartettstück aus dem Zyklus, ist den Henschels gewidmet, die es 2007 uraufführten. Ihre nuancierte Wiedergabe bewies: Es ist ihnen auf den Leib geschrieben. Wie ein Pendant wirkte das Andantino aus Schostakowitschs 4. Streichquartett op. 83. Das Paizo-Quartett ergänzte mit sensibler Wiedergabe den Eindruck seiner Stilsicherheit.

Zum 15-Jahre-Jubiläum der Henschels wurde das Publikum mit zwei Streichoktetten verwöhnt. Das Oktett op. 5 des deutsch-polnischen Komponisten Reinhold Glière, um 1900 entstanden, ist eine reizvolle Bereicherung des Genres. Alle Sätze enthalten russische oder polnische Folklore-Elemente. Glière stellt gern tiefe und hohe Instrumente als kompakte Gruppen gegeneinander oder fasst mehrere im Unisono zusammen, versteht aber auch den Satz polyphon aufzulockern. Das Ensemble verlieh dem Werk unsentimentalen Schmelz und tänzerischen Schwung. Mit schönen Kantilenen glänzten Henschel-Cellist Mathias Beyer-Karlshøj neben Toke Møldrup, die Violinen mit Primarius Christoph Henschel sowie die Bratschisten Monika Henschel und Rafael Altino.

Es folgte die Wiederbegegnung mit einem Geniestreich des jungen Mendelssohn, dem Es-Dur-Oktett. Christoph Henschel wechselte in die zweite Geige und überließ Paizo-Primarius Mikkel Futtrup die Führung. In dieser Rolle wahrte der temperamentvolle Geiger weitgehende Zurückhaltung. Perfekt verbanden die Musiker Solisten- mit Ensemble-Qualitäten. Im genialen Satzgeflecht, bald sinfonisch, bald kammermusikalisch, spielte jeder jedem zu, trat hervor, ordnete sich ein. Das Ensemble tat dies mit höchster Konzentration, Präzision und Kantabilität. Virtuos wirbelte es durch die Stationen des Sommernachtstraums, beschwor den Elfenspuk expressiv und geheimnisvoll, leicht und voll anmutigem Witz. Bereitwillig wiederholte das stürmisch gefeierte Ensemble das fulminante Finale! EVA SCHUMANN

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