R. Kelly und das Tiramisù

Offenbach - Wer wartet schon gern? Vor allem, wenn es sich nicht lohnt! Und dann auch noch im Regen? Nur treue Fans! Umso schlimmer, wenn sie leer ausgehen. Von Barbara Wellmann

Dass manche Popstars auf sich warten lassen, ist nicht neu. Stars können sich Diva-Allüren erlauben. Doch gar nicht zu kommen und viel zu spät zu „merken“, dass die Stimme einen Auftritt nicht zulässt, ist doch ein Ego-Trip der seltenen Sorte. Was zurückbleibt: Enttäuschte und auch erboste R’n’B-Fans vor dem Offenbacher Capitol, die vergeblich auf US-Sänger R. Kelly warten.

Manch einer hat sich bereits um 17 Uhr in die Schlange entlang der Goethestraße eingereiht. Aus der Pfalz, aus Fürth und sogar aus Frankfurt haben sich Konzertbesucher nach Offenbach begeben. Schließlich kommt der US-Sänger nicht alle Tage, und er macht auch nur vier Mal in Deutschland Station.

Um 20 Uhr wird die wartende Masse noch immer nicht eingelassen. Gerüchte machen die Runde. „Klar, wenn die unsere Karte abreißen, kriegen wir kein Geld zurück“, wird vermutet. Zu Recht. Doch sicher ist sich keiner. Folge: Keiner will seinen lange verteidigten Platz aufgeben, um vorn nachzuhören, was los ist.

Strafzettel statt Durchsagen

Noch vor der offiziellen Absage kommt die Ernüchterung per Videobeweis. Zwei Mädels, die einige Roadies kennen, waren kurz drin und haben mit ihrem i-Phone gefilmt, wie die Bühne abgebaut wird. Das war’s. R. Kelly kommt nicht. Kurz darauf wird’s offiziell. Aber nur unmittelbar vor der Tür. Die vielen Fans – mittlerweile reicht die Schlange ums Eck, bis etwa zum Main – bekommen davon nichts mit.

„Wir haben die Polizei gebeten, vorbeizufahren und mit einem Megafon die Absage mitzuteilen, aber die kommen einfach nicht“, ärgert sich Patrick Mill vom Veranstalter Shooter. Das Offenbacher Ordnungsamt aber ist längst da: Zwei Mitarbeiter nähern sich von Westen und schreiben alle falsch geparkten Autos auf. Nur leider haben die kein Megafon dabei. Dafür umso mehr hässlich-gelbe Zettel.

Stimmung droht zu kippen

Manche Fans regen sich auf. Die Stimmung droht zu kippen. Es bleibt aber friedlich. Einige sind Enttäuschungen von Seiten des US-Sängers schon gewohnt. R. Kelly hat bereits in Mannheim vor drei Jahren ein Konzert abgesagt.

Um den Abend zu retten, geht’s an den Wilhelmsplatz. Im Lokal macht man es sich gemütlich. Bei guter, lauter Musik meint die Begleitung zwischen zwei Bissen Tiramisù: „Hauptsache die spielen keinen R. Kelly!“

Doch wie sollte es anders sein: Kurz darauf dröhnt laut aus den Boxen die soulige Stimme. „Oh nee, nicht der jetzt auch noch“, raunt es unisono an mehreren Tischen im Raum. Erst ein Lächeln unter Gleichgesinnten, dann lautes Lachen. Gut. Wir sind nicht die einzigen. Und bei geteiltem Leid schmeckt der süße Seelentröster umso besser.

Rubriklistenbild: © dpa

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