Zwei Marimbas geben bei der Soiree den Ton an

Konzert in idealer Balance

Offenbach - Bach, das wohl beliebteste Objekt der Bearbeitung aller Zeiten, auf zwei Marimbas? Das klingt auf den ersten Blick suspekt. An Bearbeitungen ist grundsätzlich alles „erlaubt“, der einzige Maßstab, der sich anlegen lässt, ist die Triftigkeit des Ergebnisses. Von Stefan Michalzik

Ob allerdings zwingend Bach auf dem Banjo geplinkert oder, in umgekehrter Richtung, Hendrix von einem Streichquartett aufgegriffen werden muss, erscheint fragwürdig.

Nun also im Zuge einer Soirée in der Offenbacher Stadtkirche der finale Prestosatz aus Bachs Italienischem Konzert BWV 971 auf zwei Marimbaphonen. Die Fassung des Duos um die rumänischstämmige Yoana Varbanova und Maximilian Thumann erscheint mit ihrem orgelnahen Klangbild bezwingend.

Thema Bach: Es war Andrés Segovia, der in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts Bach und andere Komponisten auf die Gitarre übertrug und damit erst ein Repertoire für das Instrument erschloss. Für das Marimbaphon existiert gleichfalls kein überliefertes Repertoire, es ist mithin nicht anders als auf dem Wege der Transkription – oder Neuschöpfungen – zu gewinnen.

Kluge dramaturgische Führung

Maurice Ravel, gleich zwei Mal vertreten mit „Albrada del gracioso“ aus dem Zyklus Miroir und dem Klavierstück „Pavane pour une infante défunte“, erscheint im neuen Klangbild mitunter wie ein Ahnherr des Minimalismus. Andrew Yorks „Sanzen In“ von 2000, ursprünglich für zwei Gitarren geschrieben, ist von einer zeitgenössisch-freien Anverwandlung fernöstlicher Harmonien geprägt; der serbisch-deutsche Perkussionist Nebojsa Jovan Zivkovic geht in dem expliziten musikalischen Dialog Ultimatum II von 1994 – dem einzigen Originalstück für zwei Marimbas – undogmatisch mit den Errungenschaften der freien Tonalität um. Astor Piazzollas Tangosuite für zwei Gitarren von 1984 ist ein Beleg für den stilverschmelzenden Ansatz des Tango Nuevo.

Über die ideal ausbalancierten, von Strukturdenken und Übersicht geprägten interpretatorischen Zugang ist die kluge dramaturgische Fügung des Programms kaum genug zu preisen. Zugängigkeit und Anspruch sind mit kluger Hand austariert.

Rubriklistenbild: © Tina Schlief Dülmen/Pixelio

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