Musikalische Papageien-Party in Paris

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In Paris begeisterte Jimmy Buffett mit einem dreistündigen Konzert seine Fans.

Langen/Paris - Haben Sie schon mal einen Papageienkopf (Parrothead) getroffen? Oder einen Landhai (Landshark)? Aber Jimmy Buffett kennen Sie? Auch nicht? Naja, nicht weiter schlimm, denn da geht es Ihnen so wie fast allen Deutschen. Von Markus Schaible

Unser Redakteur Markus Schaible ist da eine Ausnahme. Am Wochenende war er in Paris, wo sich Parrotheads und Landsharks aus der ganzen Welt beim Konzert von Jimmy Buffett und seiner Coral Reefer Band zu einer rauschenden Party trafen.

Jimmy Buffett ist ein Superstar – in den USA. Nicht unbedingt bei den Plattenverkäufen, wohl aber durch seine Konzerte. Er füllt die größten Hallen (Madison Square Garden, MGM Grand) und Stadien (Wrigley Field, Fenway Park). Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts sahen ihn in Nordamerika 4,5 Millionen Zuschauer; nach einer Auflistung der „Top Tours of the Decade“ erzielte er einen Bruttoumsatz von mehr als 285 Millionen US-Dollar, was ihm weit vor beispielsweise Bon Jovi, Paul McCartney oder Coldplay Platz 10 einbrachte.

Fans kommen vekleidet zu den Konzerten

Den Erfolg verdankt er seinen treuen Fans, womit wir bei den Parrotheads und Landsharks wären. Nicht nur, dass sie sich so nennen, sie zeigen dies auch deutlich, weshalb sich „Unwissende“ auch manchmal an Karneval erinnert fühlen (oder an Halloween im Bermuda-Dreieck, wie der „Houston Chronicle“ jüngst schrieb). Zu den Konzerten kommen sie verkleidet, tragen Hüte mit Papageien oder Haifischflossen darauf, ziehen sich Baströcke oder BHs aus halben Kokosnüssen an und vieles mehr.

Bilder vom Konzert

Jimmy Buffett begeistert seine Fans

Die Blicke der nicht Eingeweihten sind – schon in den USA – meist sehr irritiert; in Paris natürlich noch viel mehr. Doch davon lassen sich die Papageien und Haie nicht stören – gute Laune ist Programm. Beach Music nennt er seinen Stil – eine Mischung aus Pop und Rock mit Einflüssen aus Country sowie den Klängen der Karibik und von der Inselgruppe Hawaii.

Selten Auftritte außerhalb Nordamerikas

Auf die Bühne kommt er stets in Bermudashorts, parkt seine Flip-Flops noch vor dem ersten Lied neben dem Mikrofonständer – und kann sich gewiss sein, dass ihn (und seine vielköpfige Band) ein frenetisches Publikum durch den Abend trägt. So auch in Paris – wohin er bei seinen extrem seltenen Auftritten außerhalb Nordamerikas seit vier Jahren immer im September kommt.

Zu der französischen Hauptstadt hat er eine enge Beziehung, was sich schon in einem seiner bekanntesten Songs („He Went To Paris“) zeigt. Zudem haben einige seiner Songs französische Titel oder enthalten französische Textteile. Es ist kurz nach 17 Uhr vor dem Olympia – der Konzerthalle schlechthin im französischsprachigen Raum (Piaf, Aznavour, Dion, sie alle haben dort gespielt, ebenso wie die Stones, Sinatra und andere Superstars). Die Party ist schon in vollem Gang. J

Jeder der oben offenen Doppeldeckerbusse, mit denen ahnungslose Touristen eine Stadtrundfahrt machen, wird mit Jubel begrüßt. Und immer wieder bleiben Einheimische stehen, fragen nach, was die Verkleidungen denn sollen. Die Landsharks zücken ihre Eintrittskarten. „Ah, Jimmy Büfett“, sagt die Pariserin, die in Wirklichkeit keine Ahnung hat, dass sich Jimmy genauso ausspricht wie der drittreichste Mann der Welt, nämlich Baffett. Dann stöckelt sie davon.

Viel trinken und sich zum Narren machen

Und die Party geht weiter. Kurz vor 19 Uhr – das Olympia öffnet seine Tore. Erst wird der T-Shirt-Stand gestürmt, dann die Theke. Denn, wie schrieb eine Zeitung aus Cincinnati diesen Sommer über seinen 42. (mit mehr als 20.000 Fans ausverkauften) Auftritt im dortigen Riverbend Music Center: „The annual celebration of drinking too much, making a fool of yourself and crisping in the sun“ – die jährliche Feier des Zu-viel-Trinkens, Sich-selbst- zum-Narren-Machens und In-der-Sonne-Bratens.

Okay, Sonne gibt’s in Paris nur begrenzt, das mit den Narren überlesen wir mal – und das mit dem Trinken scheitert am völlig überforderten Thekenpersonal. Aber was soll’s? 20 Uhr, der obligatorische Song vor der Show erklingt: „Hot, Hot, Hot“. Jeder – und wirklich jeder – singt mit. Genauso wie die folgenden drei Stunden.

Buffett mag zwar mit 63 nicht mehr der Jüngste sein, aber seine Konzerte sind nicht kürzer geworden in all den Jahren. Er ist ein perfekter Entertainer, der genau das liefert, was das Publikum will – eine ausgewogene Mischung aus fetzigen Songs und Balladen. Er singt von Seeleuten („As a son of a son of a sailor, I went out on the sea for adventure“) und Piraten („Yes I am a pirate, 200 years to late. The cannons don’t thunder, there’s nothing to plunder ...“), aber auch von den Freuden des Lebens („Cheeseburger in Paradise“/„Why don’t we get drunk?“).

Buffett hat immer Überraschungen für die Fans

Ein schillernder Rock-Star ist er nicht – aber das wusste er schon immer („I’ve got my Hush-Puppies on, I guess I never was meant for glitter Rock and Roll“). Nie spielt er bei den Konzerten dieselben Songs, immer baut er die Auftrittsorte geschickt in die Ansagen oder Texte ein, in Paris auch mal auf Französisch.

Und immer hat er Überraschungen für die Fans parat: Im Olympia ist es ein gemeinsamer Song mit Antoine – der französischen Sänger-Legende. Gut, auch den kennt hierzulande kaum einer, und auch die meisten Parrotheads haben noch nie von ihm gehört. Die sind aus Australien, Schottland, Griechenland, Alaska angereist, haben einen Urlaub mit der Möglichkeit verbunden, Jimmy mal „hautnah“ zu erleben. So wie Roger aus Gettysburg in Pennsylvania. Glücklich tanzt er in seinem roten Hawaiihemd oben auf dem Balkon – „so nah war ich noch nie an der Bühne“. Und dann singt er wie alle anderen weiter lauthals mit.

Im Endeffekt ist es wie immer – und damit soll noch mal der „Houston Chronicle“ zitiert werden: „Nicht eine Eintrittskarte blieb unverkauft, nicht ein Bier ungetrunken, nicht ein T-Shirt unverkauft oder ein Fan ohne ein Lächeln.“ Und es dauert lange, bis dieses Lächeln wieder aus dem Gesicht weicht. Sehr lange ...

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