Ausverkaufte Jahrhunderthalle

Lana del Rey mit Stimmgewalt und Charme

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Lana del Rey (das Bild zeigt sie beim Touraufktakt in Berlin) versprüht Glamour und Charme - auch im schwarzen Kleid, das sie in Frankfurt trägt. Umziehen? Fehlanzeige.

Frankfurt - Ein Hauch von Hollywood macht sich in der Jahrhunderthalle breit. Von dem der 50er-Jahre. Von Barbara Wellmann

Doch anstatt Marilyn Monroe klimpert aus großen, kunstwimperngeschmückten Augen eine 26-Jährige der ausverkauften Halle entgegen – an Glamour fehlt es Lana del Rey dabei keineswegs. Auch nicht, als ihr Mikro versagt.

Mädchenhaft und doch verrucht

Zu ihrem schwarzen Minikleid trägt die Echo-Preisträgerin (beste Künstlerin Rock/Pop und beste Newcomerin international) nicht die zu erwartenen Highheels, sondern gemütliche Chucks, wodurch sie unschuldig mädchenhaft wirkt. Doch spätestens als sie mehrfach kokett das Kleid am Schenkel hochrutschen lässt, weicht dieser Eindruck dem verruchten, der ihre Stimme bereits prophezeiht.

„My pussy tastes like Pepsi Cola“

Ihre Stücke laden ein zum Genießen, ohne sentimental zu werden. Insbesondere die vier Streicherinnen und der Schlagzeuger untermalen die verrauchte tiefe Stimme, die ihre Lieder unverwechselbar macht. Über ihre üppigen Lippen, die Neider als Daisy-Duck-ähnlich bezeichnen könnten, haucht sie Stücke von Liebeskummer (Without you, Born to die), von bösen Jungs (Blue Jeans), covert Nirvana (Heart shaped box) und singt Sätze wie „My pussy tastes like Pepsi Cola“.

Marilyn-Wind-Showeinlage erfreut nicht nur Männer

Da stört auch die fehlende Dramaturgie der Show wenig, hebt die Künstlerin doch alle Mainstream-Stücke fürs Ende auf. Auf der Leinwand beleben Großstadtlichter, Rocker auf Harleys und Super-8-Aufnahmen der „heilen amerikanische Familie“ die triste Bühnenshow. Aber das benötigt eine Künstlerin wie del Rey auch gar nicht.

Durch ihre phlegmatischen Bewegungen ist sie nicht außer Atem und hat volle Stimmkraft. Und wenn sich die hübsche Frau im Lolitalook an den Bühnenrand verläuft, freuen sich nicht nur Männer über die Marilyn-Wind-Showeinlage, die das Kleid flattern lässt. Ständig kokettiert sie mit ihrem Publikum, nimmt das kaputte Mikro bei „Summertime Sadness“ gelassen, quietscht wie ein Schulmädchen freudig über den Applaus und hinterlässt, trotz fehlender Zugabe, eine glückliche Menge.

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