Sicheres Gespür für Dramaturgie bei Hafen-Konzert

Offenbach - Krautrock. Das Wort kann diese Band offensichtlich nicht mehr hören. Es fällt immer wieder mit Blick auf Like a Stuntman. Auch an diesem Konzertabend im Hafen 2. Von Stefan Michalzik

Auf der Bühne, von einem der Musiker irgendwann zwischen zwei Stücken beiläufig dahingemurmelt, im ironischen Gestus. Ist freilich schon was dran. Wenngleich man deshalb nicht gleich die Retrokeule auspacken muss. Das vor zehn Jahren in Frankfurt gegründete Quartett aber weist klangsprachliche Parallelen zu der improvisatorisch geprägten westdeutschen Rock-Avantgarde um 1970 herum auf.

Synthesizer sowie Samples & Loops aus dem Laptop, gesteuert von Christian Fleck, bestimmen das Klangbild. Die elektrische Gitarre von Sven Fritz kommt in ihrer Funktion oft dem Bass nahe. Tobi Ullrichs Schlagzeugspiel prägt den Sound gerade im Konzert entscheidend mit. Es kommt vor, dass sich beinahe die ganze Band für einen Moment in ein Perkussionsensemble verwandelt.

Like a Stuntman agieren stilbewusst und ideenreich, mit treffsicherem Gespür für die musikalische Dramaturgie. Die Song-Form bleibt immer gewahrt. Es ist zwar Raum für Sounds und Atmosphären, gleichwohl sind die Nummern straff und kompakt.

Die Musik geht überwiegend mächtig nach vorn weg. Der Höreindruck ist ein anderer als auf den rhythmisch und klangdynamisch diskreteren Einspielungen des jüngsten, im Herbst vergangenen Jahres veröffentlichten Album „YOY“. Ausgeprägte Tanzbarkeit steht im Gegensatz zu den dunkelromantischen Texten, die Matthias Gros mit einer hohen Stimme singt. Die Musik scheint aus der Zeit gefallen. Gestrig aber wirkt sie nicht.

Rubriklistenbild: © Thomas Siepmann/pixelio.de

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