Konzert mit Milow im Hanauer Amphitheater

Wärmende Atmosphäre

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Der belgische Sänger Milow.

Hanau - Klar, angesichts eines nahezu ausverkauften Konzerts zeigt sich der hagere Mann mit dem unsichtbaren Haar in bester Laune. Von Thomas Ungeheuer 

Allerdings trifft der ganz in Schwarz gekleidete Belgier Milow im Hanauer Amphitheater auf ein äußerst freundliches Publikum, das zuvor von dem Berliner Sänger und Gitarristen Georg auf Lieder bestens bespaßt wurde. Bespaßt? Ja, denn dieser junge Singer/Songwriter hatte zwar nur ein paar Stücke seines kürzlich erschienen Debüts „Alexanderplatz“ vorgetragen. Aber dies mit einem solch gewinnenden Charme und Witz, dass sich Milow kaum einen besseren Aufwärmer hätte wünschen können. Während Georg auf Lieder ganz allein mit seiner akustischen Gitarre auf der Bühne stand, präsentiert sich Milow mit einer fünfköpfigen Band, die bereits vom ersten Takt an auffallend gut eingespielt klingt. Leicht, ja völlig unbeschwert wirkten Songs wie „Blue Skies“, „Learning How To Disappear“ oder „Mistaken“.

Eher selten greift Gitarrist Tom dabei zu seiner Telecaster. Bloß so richtig rockig gerät es nicht, wenn sich die Klänge dieser E-Gitarre mit denen von Milows akustischer Gitarre und denen von Bass, Schlagzeug und Keyboards vermischen. Aber das stört verschwindend wenig. Was Milow mit seinen Musikern bietet, wirkt zumindest wie ein Rockkonzert - auch wenn deren auffallend melodiöse Musik viel mehr nach Pop mit Einflüssen von Folk klingt und darin auch stets völlig harmlos bleibt. Dass jedoch diese konsequente Harmlosigkeit keineswegs mit Langeweile verbunden ist, beweist das begeistert mitsingende und mittanzende Publikum bei dem Ohrwurm „You Don’t Know“ in heiterer Beschwingtheit, die auch bei dem darauf folgenden Hit „Little In The Middle“ anhält.Merkwürdig - obwohl es recht frisch im Amphitheater ist, friert es einen nicht wirklich.

Romantik mit leuchtenden Handys

Derart herzenswarm ist die Atmosphäre unter dem Zeltdach. In welche Gesichter man auch blickt - fast überall sieht man glänzende Augen und selig lächelnde Münder. Ganz freimütig berichtet Milow denn auch, dass er kürzlich erste Gehversuche als Fernsehschauspieler unternommen hat So wird man den 33-Jährigen bald zusammen mit einigen Bandmitgliedern in der RTL-Seifenoper „Gute Zeiten - Schlechte Zeiten“ sehen können. Dabei kennt er die betagte, aber immer noch erfolgreichste deutsche Vorabendserie gar nicht, weil er in Belgien kein deutsches Fernsehen empfängt. Ob Milows neuester Hit „We Must Be Crazy“ dort vielleicht auch gespielt wird? Wer weiß. In Hanau motiviert er zumindest die Leute, während er dieses Liebeslied vorträgt, ihre leuchtenden Handys nach oben zu halten.

Das klappt bestens, obwohl Romantik früher mit brennenden Feuerzeugen und Wunderkerzen irgendwie besser aussah. Vielleicht entstand sie auch spontaner. In diesem Sinne wabert denn auch der Trockeneisnebel an den richtigen Stellen über die Bühne, auf der die Musiker in reizvolles, weiches, manchmal sogar träumerisches Licht getaucht werden. Kein Wunder also, dass es in den Minuten vor den vier Zugaben „Born In The Eighties“, „Millions Of Miles“, „Famous Singer“ und „Ayo Technology“ viele Jubelschreie, laute Pfiffe und tosenden Applaus gibt. Wer Milow nicht glauben wollte, dass die Show „großartig war“, der wird den Abend woanders verbracht haben.

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