OneRepublic begeistern in Frankfurt

Feines Kopfkino für die Massen

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Alleskönner aus Colorado: OneRepublic

Frankfurt - Sehr frei nach Franz Kafka könnte man es kurz und knapp konstatieren: Im Konzert gewesen. Fast geweint. Vor Freude.

Fünf ziemlich talentierte Musikanten aus den USA machen in der bestens besuchten Jahrhunderthalle nämlich mächtig Laune - und belegen, dass es für überzeugende Mucke nicht immer 300 harte Elekro-Beats pro Minute braucht. Mehr noch: OneRepublic spüren in ihrer Rock-Pop-Indie-Mixtur dem nach, was einen guten Song zeitlos klingen lässt - brillantes Songwriting. Ergebnis: ein umjubeltes Konzert, so großartig wie auf den ersten Blick unspektakulär. Vergessen wir also einfach mal, dass Til Schweiger wahlweise seine „Keinohrhasen“ oder „Zweiohrküken“ gerne mit dem Sound der US-Band beschallt, und lassen wir auch mal geflissentlich beiseite, dass dem Dschungel-Wendler kurz nach seinem Camp-Auszug aufgefallen sein will, dass das coole Quintett seine neue Single „Something I need“ bei ihm geklaut hat. Bei allem Respekt, Songschreiber Ryan Tedder hat zwar in den Frühtagen der Karriere an allem, vom Pop über kernigen Hiphop bis zu Elektro, herumgewerkelt und auch für Jennifer Lopez oder Leona Lewis geschrieben - aber ein Liedlein von der Reste-Rampe des deutschen Schlagers abkupfern? Einfach hanebüchen!

Erquickendes Konzert in Frankfurt

Also lieber zum erquickenden Frankfurt-Konzert, das mit georgelten Kirchenklängen und putzigem Mummenschanz eröffnet: „Don´t look down“ ist so eine Art Oratorium mit Choreinsatz für das programmatische „Light it up“, das die beiden Gründer Tedder und Gitarrist Zack Filkins mit den nach und nach rekrutierten Kollegen Brent Kutzle (Bass, Cello), Eddie Fisher (Drums) und Drew Brown (Gitarre) noch als Schatten hinterm Vorhang starten. Nachdem der Stoff gefallen ist, gibt es erwartungsgemäß ein knalliges Lichtgewitter und mit „Secrets“ gleich das nächste Orakel auf einen tollen Konzertabend.Das wird dieser Start zur Nachschlag-Tour der restlos ausverkauften 2013-er Tournee mit dem neuen Album „Native“ dann in der Tat. Markant und ganz großes Kopfkino: Die Intros der entwaffnend allürenfreien Mannen aus Colorado, die durch die Bank formidable Instrumentalisten sind. Kutzle am E-Cello, Tedder am Klavier oder Drew Brown an der E-Gitarre - die Ouvertüren zu Songs wie „Stop and Stare“, zum Überhit „Apologize“ oder zum „I lived“-Finale des regulären Sets sind umwerfend. Wenn es einen Grammy in dieser Kategorie geben würde, müsste man ihn den OneRepublic-Helden auf dem Tablett hinterher tragen.

OneRepublic im Capitol Offenbach (2013)

OneRepublic im Capitol Offenbach

phm

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