Solo sehr wertvoll

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Musikalisch ist der zweistündige Auftritt von Roger Hodgson vom Allerfeinsten.

Frankfurt - Das Timing war perfekt: Keine sechs Monate ist es her, dass Supertramp in der Frankfurter Festhalle gastierten und ein wirklich gutes Konzert darboten. Von Markus Schaible

Worauf sich der Autor dieser Zeilen zu der Aussage hinreißen ließ, dass Roger Hodgson (einer der beiden kreativen Köpfe der „goldenen Jahre“ dieser Band) fast nicht vermisst wurde. Jetzt gastierte eben dieser Hodgson zum Start seiner Deutschlandtour in der Alten Oper Frankfurt – und bestätigte eben diese Feststellung auf seine Weise: Denn solo ist der Mann noch erheblich wertvoller.

Vergleiche sind da unausweichlich. Die Band setzte auf den Bombast, für den sie immer bekannt war. Hodgson setzt auf die Kraft der Komposition. Er bietet die Stücke sozusagen – wie er selbst sagt – nackt dar. Abwechselnd spielt er E-Piano und Gitarre, begleitet einzig vom Kanadier Aaron MacDonald an Keyboards, Blasinstrumenten, vereinzeltem Schlagzeug und der zweiten Gesangsstimme. Dadurch wird umso deutlicher, was für Rockpop-Perlen der Mann geschaffen hat.

Fans dürfen auch dem Soundcheck beiwohnen

Versteckte sich die Band hinter eben jenem Bombast und kommunizierte beispielsweise gar nicht mit dem Publikum, gibt Hodgson den Entertainer. Er plaudert, erzählt von den Stimmungen und Begebenheiten, die zu bestimmten Songs geführt haben, lässt die Besucher mitpfeifen und sorgt immer wieder für Lacher.

So dürfen die Fans nicht nur dem Konzert, sondern auch dem Soundcheck beiwohnen: Hodgson, gerade erst aus Kanada eingeflogen, hat nämlich vergessen, seine Gitarre zu stimmen. Bei zwölf Saiten dauert das halt etwas länger – aber der Meister hat ja viel zu erzählen...

Musikalisch ist der zweistündige Auftritt vom Allerfeinsten. Mögen die meisten Stücke auch 30 Jahre und mehr auf dem Buckel haben – selbst ein Lied wie „Dreamer“, im Radio fast totgespielt, kommt so erfrischend aus den Boxen, dass es die Zuschauer von den Sitzen reißt.

Im Endeffekt ist das Konzert arm an Höhepunkten, weil es sich eben gleichbleibend auf höchstem Niveau befindet und für viele Gänsehaut-Momente sorgt. Herauszuheben sind vielleicht die Songs „Fool‘s Overture“ - und „School“. Da holt sich Hodgson den erst elfjährigen Tristan auf die Bühne. Der war einfach beim (echten) Soundcheck aufgetaucht und hatte auf dem Piano ein paar Songs des fast 61-jährigen Engländers gespielt. Nun sitzt er wieder am Piano, etwas verschüchtert angesichts der vielen Zuschauer im ausverkauften Großen Saal. Die bebt danach – wegen Tristan und wegen Roger Hodgson. Wer braucht da schon Supertramp?

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