Wohlklang zu Friedrichs Ehren

Offenbach - In Rumpenheims barocker Schlosskirche fanden Traversflötistin Daja Leevke Hinrichs und Cembalist Torsten Mann den stilechten Rahmen für eine wundervolle Hommage an den vor 300 Jahren geborenen Friedrich den Großen. Von Reinhold Gries

Die Kompositionen ließen dessen virtuose Berliner Hofkapelle aufleben: Auf eine Sonate des Preußen-Königs folgten eine Suite von dessen Flötenlehrer Johann Joachim Quantz sowie eine Sonate von Friedrichs Schwester Anna Amalia von Preußen und deren Kompositionslehrer Johann Philipp Kirnberger. Höfisch-musikalischen Glanz verstärkten Kammerstücke von Friedrichs Hofcembalist Carl Philipp Emanuel Bach, dessen vor dem Flötenkönig zweifach brillierenden Vater Johann Sebastian sowie dessen Hofviolinisten Franz Benda.

Ein Höhepunkt war Hinrichs Solo zur e-Moll-Suite von Quantz. An der hurtigen Sarabande, der wiegenden Courente und teuflisch flinken Repetitionen des „Menuet l´Inconnu“ hörte man, wie Quantz als erster Deutscher Läufe und Sprünge italienischer Geigenvirtuosen aufs Flötenspiel übertragen hat, um daran unerschöpfliche spieltechnische Möglichkeiten in französischem Gestus zu erproben. Friedrichs Sonate Nr. 154 e-Moll für Cembalo und Traversflöte wirkte zwar auch galant und ausgewogen, konnte aber mit Quantz´ kontrapunktischer Finesse nicht mithalten. Hinrichs und Mann blieben dabei souverän und kosteten dann Anna Amalias durchaus anspruchsvollere Sonate F-Dur mit ebenso majestätischem Duktus wie Empfindsamkeit aus.

Voll gefordert wurde die Oldenburger Flötenvirtuosin bei C.P.E. Bachs kantabler wie hochdiffiziler D-Dur-Sonate. Hinrichs’ warmes, körperreiches Melos prägte die Partie, während Manns gekonntes Spiel auf dem Nachbau eines Blanchet-Cembalos zwischen Begleitung und polyphon-improvisatorischem Gegenspiel pendelte.

Melodisch kaum weniger gefällig wirkte die damals schon als altmodisch geltende Köthener e-Moll-Duosonate Johann Sebastian Bachs. Hinrichs ebenso sangliches wie furios kontrapunktierendes Spiel widerlegte alte Vorurteile: In vorbildlichen Oberstimmenfiguren über wiegendem Ostinato legte sie das einzigartige System Bachs frei, das weit mehr ist als „Ornamentik“. Großartig auch, wie Mann in dieser eigentlichen Trio-Sonate am thematischen Geschehen mitwirkte.

Perfekt ausbalanciert wirkten auch Kirnbergers gefühlvoll bis elegant fließende Sonate Nr. 8 G-Dur und Bendas ideenreich-frühklassische Sonata e-Moll, die zum authentischen Originalklang-Feuerwerk gerieten. Der lange Beifall zeigte es: Das hinreißende Duo Hinrichs/Mann machte auch Friedrichs Hofkapelle alle Ehre.

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