Massenhysterie bei 30 Seconds To Mars

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Jared Leto ist der musikalische Kopf der US-Band 30 Seconds To Mars, sein Gesicht kennt man aber auch aus Hollywood-Filmen.

Frankfurt - Hysterisches Dauerkreischen ruft Erinnerungen wach an die Beatlemania vor rund fünf Dekaden. Immer wieder kommt es in der fast ausverkauften Frankfurter Festhalle zu tumultartigen Szenen. Von Ferdinand Rathke

Da bleibt es letztendlich gleich, ob die Vorband Our Mountain auf der Bühne steht oder ob der immer wieder gleiche Minuten-Spot, der das 300. Konzert von 30 Seconds To Mars am 7. Dezember 2011 im New Yorker Hammerstein Ballroom bewirbt – immerhin winkt für die US-Formation ein Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde. Um etliche Dezibel schwillt der Geräuschpegel noch an, als dann endlich das Saallicht verlöscht und Hollywood-Mime Jared Leto, der die Band 1998 im Gespann mit Bruder Shannon aus der Taufe hob, leibhaftig auf der Showtreppe erscheint.

Kurzerhand zum Hochsicherheitstrakt umfunktioniert wurde die Konzerthalle von der strikt geführten Security aus den USA. Ins Allerheiligste, den Bereich hinter der Bühne, wo sich Frontmann Jared Leto, Schlagzeuger Shannon Leto, Sologitarrist Tomislav Milicevic sowie die ausschließlich bei Konzerten aktiven Musiker, Bassist Matt McJunkins und Keyboarder Braxton Olita, aufhalten, würde wohl sicherlich eine Mehrheit der mehrheitlich weiblichen Fans gern vorstoßen. Als das Quintett an den Start geht grollt es in der Festhalle, als würde sie wie ein gigantisches Raumschiff gleich abheben.

Eskapismus pur betreiben 30 Seconds To Mars zum Auftakt, wenn zu den rasanten Alternative-Rock-Klängen von „Escape“ das überlebensgroße Gesicht von Jared Leto mit arktischem Eis verschnitten wird. Leto, in schwarzer Kluft mit Lederjacke, Röhrenhosen, Rock und Sonnenbrille, versteht gezielt sein Talent für schauspielerische Dramatik einzusetzen: Per Hydrauliklift steht das fast 40 Jahre alte Multitalent urplötzlich wie durch Zauberhand vor dem Band-Logo. Wie ein Kreisel dreht sich der Schauspieler um sich selbst, singt mit kräftiger Stimme und spielt dann und wann die Rhythmusgitarre.

Um den Finger gewickelt hat Jared Leto die Massen: Nach Belieben lässt er sie stampfen oder rufen. Bekennt seine Vorliebe für „Deutschland, deutsches Brot und schwäbische Spätzle“. Als Belohnung fürs aufgekratzte Publikum gibt es aufblasbare Tierluftmatratzen, große Plastikbälle und silbernes Konfetti. Bei der Antikriegshymne „This Is War“ blendet Philosophisches von Plato, Albert Einstein und Martin Luther King in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund ein.

Für ein solistisches Akustik-Intermezzo zieht er um auf eine kleine Bühne am anderen Ende der Halle. Quer durchs Auditorium mit Tuchfühlung zu den Fans geht es zurück. „Closer To The Edge“ zündet ebenso im Gitarrengeschwader wie „Night Of The Hunter“. Eine Zäsur erfolgt mit dem überlangen Videoclip zu „Hurricane“ ohne Band. Zum Finale mit „Kings & Queens“ lädt der Herzensbrecher zahllose Fans auf die Bühne, wo orgiastisch weiter geschwoft wird, bis urplötzlich Musik aus der Konserve ertönt.

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