Thomas Frank in der Offenbacher St. Marien Kirche

Die altehrwürdige Klais-Orgel nicht geschont

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Offenbach - Eine spannende Mischung bot das sehr gut besuchte Konzert des Tastenkünstlers Tobias Frank auf der Klais-Orgel in Offenbachs St. Marien. Von Reinhold Gries 

Vom Vivaldi-Concerto über Regers Trauerode bis zu Karg-Elerts elegant-verspielter Walzer-Fantasie spannte Frank den Bogen vom Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs zur Orgelweihe von 1914. Das Ganze war laut Ralph Philipp Zieglers Einleitung auch Eröffnungskonzert der Bell´Arte-Reihe „Historische Orgellandschaft RheinMain 2014“.

Was Frank durchgehend gelang, war dem seit 100 Jahren fast unveränderten Instrument eine große Palette an Klangfarben zu entlocken. Dabei schonte er die altehrwürdige Orgel mit dem barocken Prospekt und der romantischen Disposition nicht. Das hörte man auch bei zeitweilig pompöser „Marcia“ aus Charles-Marie Widors opulent gesetzter Orgelsinfonie Nr. 3 e-Moll, bei der gedämpfte Registrierung oft schöner wirkte als wuchtig gesetzte Akkordballung. Denn die St.Marien-Orgel zeigt Schärfen bei Vollgas und bezaubert umso mehr beim schönen Fließen.

Dass die Klais- keine Barockorgel ist, wurde in der von Guy Bovet arrangierten Bach-Bearbeitung zu Antonio Vivaldis Concerto h-Moll deutlich. Da wirkte das Fanfaren-Werk zu mächtig, während schönes Filigranwerk hätte klarer wirken können. Franks diffizile Arpeggiaturen und vielstimmige Passacaglia-Läufe waren dafür über jeden Zweifel erhaben.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Regers Trauerode, der erste Satz seines letzten Orgelwerks op. 145, ist den Gefallenen der Kriegsjahre 1914/15 gewidmet. Franks einfühlsame Darbietung wurde des Anlasses gerecht in düsteren Bass-Abgründen wie in verloren wirkenden Klängen, im expressiven Aufschrei wie im unsagbaren Lamento. Regers Meditationen, Kontraste und Dramatik konnte man authentisch auf zeitgleich gebauter Orgel erleben.

Mit der „Rhapsody Nr. III cis-Moll“ von Herbert Howells ließ Frank andere Klangbilder zum Kriegserleben folgen. Howells schrieb sich darin die Angst von der Seele, die er empfand, als über dem britischen York 1918 deutsche Zeppeline ersten Schrecken des Bombenkriegs verbreiteten. In aufgewühlten Passagen ließen sich Howells´ Gefühle nacherleben.

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