Konzertabend als Wundertüte

+
Das Newstead Trio aus Philadelphia überzeugte.

Dreieich - Die Aschewolken des Vulkans machten die 8. Dreieicher Musiktage spannend. Erst am Morgen des Eröffnungskonzerts waren Musiker aus Argentinien und den USA eingetroffen. Von Reinhold Gries

Dies hatte bis in den Saal bei den Stadtwerken Wirkung: Das im Programm ausgedruckte Rondo von Schnittke entfiel ebenso wie Boccherinis Allegretto und Chinesisches. Die gut gestimmten Zuhörer staunten, welch schillernde Kostproben Initiator und Conferencier Georgi Mundrov dafür auf die Bühne zauberte. Für den gelungenen Klassikteil stand das Newstead Trio aus Philadelphia. Dessen ausgelassene Darbietung von Haydns Trio all’Ongarese machte Laune. Durch Verdopplungseffekte und Variationen von Michael Jamanis (Violine) und Xun Pan (Klavier) geriet das zigeunerische Rondo zum Husarenritt, während Cellistin Sara Male Kantilenen gefühlvoll ausspielte.

Die Überraschung verstärkte sich in Dvoraks Dumka Nr. 6, benannt nach einem ukrainischen Tanz, mal langsam-schwermütig, mal rasch-ausgelassen. Spannung und Auflösung, breite Grundierung und pochende Achtel, Durchführungen mit plötzlichen Einblendungen, fast sinfonische Steigerung zum Schluss: All dem zeigten die Virtuosen sich gewachsen. Ihr fetziger Rhythmus in Paul Schofields „Café Music“, eine gekonnte Mixtur aus Jazz, Blues und Rag, die Neue Musik einbaute und Choralartiges nicht verschmähte, wurde gefeiert.

Eher „Kaffeehausmusik“ auf gehobenem Niveau spielte das Duo Terlizzi aus Catania nahe des Ätna. Die Fritz-Kreisler-Versionen von Alt-Wiener Tanzweisen genossen Marco Terlizzi (Violine) und Raffaele Terlizzi (Klavier) mit Charme. Bei Brahms’ Ungarischen Tänzen wurde das Vulkanische allerdings zum Problem. Vor allem der Violinist ließ es als „Teufelsgeiger“ an Präzision vermissen.

Anders Mundrovs Huldigung an Chopin. Bei der berühmten Polonaise As-Dur zog die maßvolle Interpretation vor. Prächtig harmonierten linkshändig trappelnde Oktavfiguren mit rechtshändigem Fanfarenmotiv. Der Buchschlager Pianist aus Bulgarien erwies sich auch als gekonnter Begleiter des Saarbrücker Tenors Vincenzo Di Rosa, in dessen Adern französisches und italienisches Blut fließt. Im Canzone „Il mondo“ von 1962 schien er mit Caruso-Zitaten die Welt zu umarmen, in Brels „Amsterdam“ wirkte er spannungsreich wie Monsieur 100 000 Volt. Auch seine stimmstarke Adaption von Edith Piafs „Je ne regrette rien“ sorgte für Bravos.

Kommentare