Konzertante Kombinationen

Frankfurt - Virtuosität ist Ehrensache beim nun schon mehrfachen „Opernorchester des Jahres“. Und die lockte der Frankfurter Generalmusikdirektor Sebastian Weigle im Museumskonzert mit einem wahren Reißer der klassischen Moderne. Von Klaus Ackermann

Béla Bartoks Konzert für Orchester hält solistischen Einsatz für alle Sektionen bereit. Weidlich genutzt von dem wieder einmal wie aus einem Guss musizierenden Opern- und Museumsorchester. Für spannende Kombinationen in der Alten Oper sorgten zudem die Brüder Oscar und Claudio Bohórquez mit dem Konzert für Violine, Violoncello und Orchester von Brahms.

Vom Zeitgenossen Hans Rott hat Johannes Brahms nicht viel gehalten, was kaum verwundert. Gibt sich der Wiener auch in seinem Orchester-Vorspiel zu Shakespeares „Julius Cäsar“ als Anhänger der bei Brahms verpönten Richard-Wagner-Fraktion zu erkennen. „Breit und kräftig“ (so die gestalterischen Vorgaben) stimmen Weigle und Orchester einen Cäsaren-Marsch an. Um dann mit Rotts erstaunlichem Gespür für neue Klanglichkeit Wege zur Musik des 20. Jahrhunderts aufzuzeigen, die der früh verstorbene Komponist nicht mehr begehen konnte.

Doppelkonzert auf ehrwürdiger Form

Dagegen fußt der Spätromantiker Brahms auch in seinem Doppelkonzert auf ehrwürdiger Form, hier das italienische Concerto grosso mit strengen Wechseln von Soli und Orchesterpassagen. Mit einer Art solistischem Entrée auf Violoncello und Violine bereiten die ideal harmonierenden Brüder auf ein vorwärtsdrängendes Thema vor, dessen sinfonische Entwicklung in Atem hält.

Opulenter Ton altehrwürdiger Instrumente bestimmt das liedhafte Andante, eingebettet in ein empfindungsvolles Orchester-Legato. Und auch beim tänzerischen Finale mit seinen genüsslichen Wendungen und dem poesievollen Dialog mit dem Solohorn beeindruckt das schwerelose Spiel der in Lübeck geborenen Südamerikaner, die kaum gefordert scheinen. Schleunigst nachgeholt wird das in der Zugabe, einem Passacaglia-Thema von Händel, das der Norweger Johan Halvorsen in Paganinis Geist bearbeitet hat; virtuose Maßarbeit, die Bravorufer herausfordert.

Bei allem impressionistischen Girren und Flirren, bei folkloristischen Bläser-Tupfern, einem choralartigen Gebilde mit düsteren Trommelschlägen, die verhauchen, auch bei Bartok ist instrumentale Equilibristik in allen Tonlagen gefragt. Weniger in der „Totenklage“ (Bartok) mit ihren geisterhaften Erscheinungen. Eher schon im Intermezzo interrotto mit seinem an den Wiener Johann Strauß erinnernden Schlager, der regelrecht absäuft, besonders aber im rhythmisch vertrackten, auf einer grotesken Fuge basierenden finalen Perpetuum. Von Weigle in gnadenlos schnell gefordert, kommt das verblüffend präzise rüber. Der lässt zu Recht – eine völlig neue Beifallsordnung – jede Orchestersektion hochleben.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Carsten Nadale

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