Konzerte in gemütlicher Atmosphäre

Große Abende im kleinen Format

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Musik im Wohnzimmer-Ambiente: Ben Taylor beim Auftritt im Lokal des Frankfurter Mousonturms.

Frankfurt - Konzerte im intimen Rahmen liegen im Trend. Das gilt nicht nur für Salon-Veranstaltungen in der klassischen Musik, auch die Popmusik erlebt eine Renaissance im kleinen Format. Von Detlef Kinsler 

Die Wege des Herrn sind unergründlich. Und so taugt tatsächlich auch mal ein Straßenmusiker wie Ed Sheeran zum Shooting Star und spielt plötzlich in ausverkauften Arenen. Auch die Festhalle am 18. November ist längst ausverkauft. Da wird dann der als schüchtern beschriebene Brite mit seiner Klampfe einsam auf der großen Bühne stehen. Die Lightshow und die Video-Projektionswände dazu erinnern eher an Auftritte von Bombast-Rockern. Eine eher seltsam anmutende Szenerie. Da bedarf es auf Dauer sicher einer großen Kraftanstrengung, dass Charme und Authentizität nicht auf der Strecke bleiben.

Mit einem vergleichbaren Problem werden Tildon Krautz über kurz oder lang nicht zu kämpfen haben. Die in Frankreich lebenden Amerikaner polnischer Abstammung haben ihrer Musik die wunderbare Stilbezeichnung „Anti-Rational Rabbit-Folk“ angedeihen lassen. Gemeint ist damit auch mehrstimmiger Gesang im Mountain Music Style zu Gitarre, Banjo, Mandoline und Fiddle. Die Appalachen lassen grüßen mit Folk, Country, Bluegrass und mehr.

„Der Kleine Mann mit dem Blitz“

Gregg Weiss und Gabi Swiatkowska bringen die Berge am 11. November nach Sachsenhausen, unweit von der Partykneipe „Oberbayern“, aber in einer vollkommen anderen Location. Denn an diesem Abend feiert die On & Off Location „Der Kleine Mann mit dem Blitz“ auch als Konzertraum seine Premiere. Atelierhaus, Galerie, Bar und Wochenendküche, all das verbirgt sich hinter die Adresse in einem versteckten Winkel der Frankfurter Kleinen Rittergasse 11, jenseits des Mainstreams sozusagen. Und das ist auch Programm. Fotograf Oliver Tamagnini, der dort lebt und arbeitet, veranstaltet in stilvoll gestalteten Räumen Musik, die im Angebot der bekannten Liveclubs „eher dünn gesät ist“. Keine Drums, nix Lautes, dafür Individuelles, Spezielles. Mit Rat und Tat steht ihm dabei DJ Matthias Westerweller zur Seite. 40, 50 Besucher können erleben und genießen, was das Herz der Fans höher schlagen lässt.

Ein glückliches Händchen für besondere Orte hat ohne Zweifel die Frankfurter Subkultur-Ikone Hans Romanov. Nachdem ihm der Pachtvertrag für seinen „Yachtclub“ auf dem Main nicht verlängert wurde, übernahm er zusammen mit Nicole Forster nach einer kleinen Durststrecke die Räumlichkeiten von „Le Bar“ (Ex-Café Liliput“) in der Sandhofpassage und beließ es bei der schummrigen Einrichtung mit reichlich plüschigem, anrüchigem Rot und viel Patina, im chilligen Garten dazu reichlich Grün und eine Wasserfläche. Neu ist nur der Name. „Neglected Grassland“. Magerrasen lautet der übersetzt im Terminus Technicus. Um ihn „fett“ zu machen, müssen Betreiber, Künstler und Publikum „Nährstoffe“ einbringen. Für ein lebendiges Biotop. Laiki Kostis, der auch im „Bett“ und der „Batschkapp“ Bands präsentiert, brachte kürzlich Marianne Dissard mit ihren fantasievollen Desert-Rock-Chansons ins Etablissement und schwärmt von der coolsten Bar der Stadt. „Warum die Konzerte da so toll sind? Wegen der intimen Atmosphäre und weil die Bands ,on the floor’ spielen, auf Augenhöhe mit und ganz nah am Publikum.“

Lenny Kravitz rockt die Festhalle Frankfurt

Lenny Kravitz rockt die Festhalle Frankfurt

Warum eine Institution wie das Künstlerhaus Mousonturm neben dem Theatersaal und der Studiobühne nun mit dem „Lokal im Mousonturm“ eine dritte Bühne bespielen lässt, liegt daran, dass man auch hier wunderbar zwischen Bar und gemütlichen Polstermöbeln kleine, feine Konzerte im Wohnzimmer-Ambiente anbieten kann. Mit dem unbezahlbaren Bonus, dass „bei jedem im Publikum durch die Nähe zum Musiker das Gefühl entstehen kann, dass einzig und allein für ihn persönlich gesungen wird“ wie Dorothé Gebhart vom Mousonturm-Team beobachtet hat.

Ben Taylor, der Sohn der US-Legenden Carly Simon („You’re So Vain“) und James Taylor („Fire And Rain“), machte Ende Februar den Anfang, es folgten u.a. Jonas Alaska und Chris Imler. Zwei absolute Boni im M’Turm: es gibt da wechselnde Snacks, zum Beispiel leckere, frische Suppen. Und hier steht ein Flügel, beim nächsten Termin im Lokal am 2. Dezember unverzichtbar, denn Lambert hat sanfte neoklassische Klaviermusik im Repertoire.

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