Rettung für die Altstars

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Sänger Jonathan Davis ist mehr Crooner als Shouter.

Offenbach - Der Dubstep zieht immer weitere Kreise – und nun sind Korn auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Das ist ein Teil der Wahrheit, zugleich ist eine derartige Einschätzung auch wieder etwas ungerecht. Von Stefan Michalzik

Denn Korn, Anfang der neunziger Jahre gegründet im kalifornischen Bakersfield, gehören zu den Pionieren des Nu Metal. Gleich mit ihrem nach dem Bandnamen benannten Debütalbum von 1995 schlug das Quintett einen Bogen zum HipHop – worüber eingeschworene Metal-Fans natürlich die Nase rümpften.

Das mögen sie nun auch wieder tun. Um eine „musikalische Revolution“, wie die Plattenfirma ausgerufen hat, handelt es sich bei der neuerlichen Entwicklung keineswegs. Korn bestückten das Programm zu ihrem Konzert in der Offenbacher Stadthalle mit ungefähr der Hälfte der Songs vom neuesten Album „The Path of Totality“. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit mit Dubstep-Produzenten wie Skrillex, Excision und Downlink erscheint beim genaueren Hinschauen nicht sonderlich überraschend. Man muss sich bloß noch einmal die splittrigen Sound-Experimente auf Alben wie „Follow the Leader“ von 1998 anhören. Sonderlich weit erscheint der Weg von dort zu den bizarren psychedelischen Tieftonwelten des Dubstep nun nicht.

Altbekanntes auch dabei

Seit Korn den Verlust ihres zum radikalen Christentum übergewechselten Gitarristen Brian „Head“ Welch vor sechs Jahren zu verkraften hatte, tritt die Band auf der Bühne als Quartett mit zwei zusätzlichen in den Schatten verbannten Musizierknechten am Keyboard und an der zweiten Gitarre in Erscheinung. Es geht quer durchs Repertoire, selbstverständlich inklusive der Hitnummern wie „Blind“ sowie Cover-Versionen, neben Metallicas „One“ leider auch einer farblosen Anverwandlung von Pink Floyds „Another Brick in the Wall“.

Manches ist längst Routine. Gleich am Anfang erledigte Bassist Reggie „Fieldy“ Arvizus sein geslapptes Solo auf dem fünfsaitigen Bass. Die Riffs des verbliebenen Gitarristen James „Munky“ Shaffer wirken vor allem wohlvertraut. Und Ray Luzier, der Schlagzeuger, der seit 2007 dabei ist? Nun, er spielt recht ordentlich Schlagzeug. Alles ist auf eine große Show hin angelegt, mit einer auf Überwältigung hin abzielenden Lichtdramaturgie und einem Strom an Musikvideobildern.

Umjubelter Dudelsack

Sänger Jonathan Davis, mittlerweile 41-jährig, wirkt so umtriebig, als hätten ihm Alkohol und Depressionen nichts anzuhaben vermocht. Von Hause aus ist er eher eine Art Crooner als ein Shouter. Des öfteren bricht er für die Refrains in ein Death-Metal-Grunzen aus. Es wirkt wie wenn er diese Entfesselung nur spielen würde. Zum Schluss spielt Davis mit dem Dudelsack auf, ein viel bejohlter Standard jeder Show dieser Band.

Nachdem Korn schon lange nichts mehr ernstlich Neues eingefallen war, hatten sie sich seit dem Erscheinen ihres Albums „See You on the Other Side“ von 2005 irrlichternd auf eine Aufschäumung mit Industrial und Elektronik eingelassen. Die derzeitige, von Jonathan Davis vollmundig zum „Future Metal“ deklarierte Synthese mit dem Dubstep funktioniert fraglos. Um eine ernstliche künstlerische Rettung werden Korn freilich weiter schwer kämpfen müssen, gleich vielen anderen Altstars. Denn es handelt sich um nichts anderes als eine Verschneidung des Dubstep mit dem abgehangenen Erfolgs-Sound der Band.

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