Ein kosmischer Urknall

+
Ian Gillan (Bild) musiziert mit Dan McCafferty, Les Holroyd, Lou Gramm sowie dem Bohemian Symphony Orchestra und der Mat Sinner Band.

Frankfurt - Vier Rocklegenden geben sich morgen ein Stelldichein in Frankfurt, um mit Orchester und Band den Geist von 1969 zu beschwören. Von Ferdinand Rathke

Beim „Concerto For Group And Orchestra” am 24. September in London paarte sich die kurz zuvor mit Sänger Ian Gillan und Bassist Roger Glover umbesetzte Prog-Rock-Formation Deep Purple mit dem Royal Philharmonic Orchestra unter Leitung von Malcolm Arnold. Erfolg hatte die Fusion aus Songs von Deep Purple, einer Symphonie von Arnold und der Suite „Concerto For Group And Orchestra“ erst, als das Quintett 1970 mit „In Rock“ Resonanz fand. Wie ein Déjà-vu dürfte Gillan die Teilnahme beim vierten „Rock Meets Classic“ vorkommen, das ihn mit Dan McCafferty (Nazareth), Les Holroyd (Barclay James Harvest), Lou Gramm (Foreigner) sowie dem Bohemian Symphony Orchestra und der Mat Sinner Band vereint. Warum er sich beteiligt, erklärt er im Gespräch mit Ferdinand Rathke.

Mit 65 gehen andere in Rente, Sie auf Gastspielreise. Was treibt Sie an?

Ian Gillan: Ich bin praktisch mein ganzes Leben auf Tour gewesen, seit ich 17-jährig als Profimusiker gestartet bin, erst bei The Javelins, dann bei Wainwrights’s Gentlemen, zuletzt bei Deep Purple. Später führte ich eigene Formationen oder war Sänger bei Black Sabbath. Es macht mir Riesenspaß aufzutreten! Gedacht ans Aufhören habe ich schon, als ich mit der Gesundheit zu kämpfen hatte. Doch ein altes Zirkuspferd macht weiter. Nicht, weil ich es finanziell nötig hätte. Allabendliches Auftreten hält mich in Form und in gewisser Hinsicht jung.

Sie schauen für Ihr Alter begnadet jugendlich aus – athletische Figur, drahtiger Gang, volles Haar. Nehmen Sie noch am aktuellen Pop-Geschehen teil?

Aber sicher! Wer einmal mit dem Virus Musik infiziert ist, bleibt es lebenslang. Ich finde Bands wie Airbourne, Stone Sour oder Kings Of Leon gut. Kann mich aber auch für tolle weibliche Stimmen wie Pink oder Lady Gaga erwärmen. Wenn ich in London bin, gehe ich hin und wieder in Konzerte. Es gibt nichts Aufregenderes, als die nervöse Spannung des Künstlernachwuchses in kleinem Club zu erleben. So habe ich ja auch mal angefangen!

Stimmt die Legende, dass Sie nach ihrer ersten Trennung von Deep Purple 1973 eine ganze Weile in Frankfurt verbrachten?

Nein. Aber ich war immer wieder länger in Frankfurt, als ich Mitglied von Episode Six war. Wir hatten wochenlange Engagements im Jazz-Club Storyville. Da knüpfte ich Freundschaften, die Jahrzehnte überdauerten, mit ganz wunderbaren Menschen. Ich habe mich in Frankfurt stets sehr wohl gefühlt. In gewisser Weise fühlte ich mich hier sogar heimischer als in London.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem „Concerto For Group And Orchestra“?

Sämtliche Kollegen waren wahnsinnig aufgeregt, sogar die klassischen Musiker. Erstmals gaben Deep Purple, nachdem Roger Glover und ich übergewechselt waren, ein Gastspiel vor großem Publikum. Die imposante Royal Albert Hall flößte uns Ehrfurcht ein. Dann war es die Premiere von Klassikorchester mit Rockband. Vor allem aber war es die Uraufführung von Jon Lords Komposition mit meinen Texten. Da standen Fernsehkameras rum, Tonbandmaschinen schnitten mit. Ein kosmischer Urknall.

In gewisser Weise ähnelt „Rock Meets Classic“ dem kosmischen Urknall.

Ja, das war der Grund meiner Zusage – ich hatte einfach wieder Lust, mich in einem Riesenensemble künstlerisch unterzuordnen (lacht). Da wir uns zu viert abwechseln, bin ich nicht die ganze Zeit auf der Bühne. Jeder präsentiert Favoriten und Klassiker – was mich an Andrew Lloyd Webbers „Jesus Christ Superstar“ von 1970 erinnert, wo ich die Titelrolle sang. Das entstand in einem hochkarätigen Ensemble und war sehr klassisch angehaucht. Den Boden bereitet hatten das „Concerto For Group And Orchestra“ und „Tommy“ von The Who.

Hatten Sie Einfluss bei der Songauswahl?

Rock meets Classic: 5. Januar, 20 Uhr, Jahrhunderthalle. Karten (43-75 Euro): z 01805 3601240, Hallen-Vorverkaufsstelle

Ich habe eine Liste meiner Lieblingssongs zusammengestellt. Aber die Macher wollen Hit-Klassiker. Wäre es nach mir gegangen, hätte Deep Purples „Mary Long“, ein Track vom Album „Who Do We Think We Are“, darunter sein können. Das funktioniert zwar in einem Konzert von Deep Purple, aber nicht in einem populären Konzept. Also dürfen die werten Gäste mit „Smoke On The Water“, „Black Night“ und Artverwandtem rechnen. Die genauen Titel legen wir erst bei den Proben fest.

Kommentare