Deerhoof im Klub Hafen 2

Krachende Gitarren

Hohe Stimmen müssen bei Japanerinnen wohl sein. Zumindest entspricht Satomi Matsuzaki, die Bass spielende Sängerin des aus San Francisco stammenden Quartetts Deerhoof, diesem Klischee. Sie macht die Show, doch allein der Umstand, dass die Sängerin im Mittelpunkt steht, ist keineswegs gleichbedeutend mit einer Fixierung auf das klassische Songschema.

Eröffnet wurde das Konzert im Offenbacher Hafen 2 von dem Instrumentaltrio What’s Up aus Portland (Oregon). Robby Monorieff, von dem die Kompositionen stammen, quält zunächst aberwitzig quäkende Klänge aus einem deutschen Billigorgelfabrikat. Um einen simplen Gag handelt es sich keineswegs. Monorieff, der an die zwölfsaitige E-Gitarre wechselt, produziert mit seinen Bandkollegen an Bass und Schlagzeug einen gigantischen Sound. So barsch das auch klingen mag, ist doch ein gewisser Groove im Spiel. Die Psychedelik der späten Sechziger und der Krautrock der Siebziger haben Spuren hinterlassen.

Deerhoof bewegen sich zwar im Koordinatensystem des Rock, doch geht es um eine Auflösung festgefügter Strukturen. Die beiden wechselnden Leadgitarren mit ihren mal zerklüfteten, dann wiederum den Riff rock aufgreifenden und umdefinierenden Klängen prägen das Bild. Als Pate schwebt die New Yorker Downtown-Avantgarde der Achtziger Jahre über der Musik.

Matsuzaki kann so fabelhaft nicht singen. Ihre Choreografie ist comicstripartig pointiert, der Sound mitunter so gewaltig, dass sich die matt timbrierte Stimme beinahe darin verliert. Deerhoof sind auch für eine kollektive Rückkopplungsorgie gut. In der Zugabe landete die Band, für dieses eine Mal mit dem Schlagzeuger am Mikrofon, mit „Goin’ Up The Country“ von den Bluesfolkern Canned Heat einen versöhnlichen Überraschungscoup. Nicht nur das kann man „schön“ nennen – um ein für diesen Abend geflügeltes Wort des radebrechenden Schlagzeugers aufzugreifen. STEFAN MICHALZIK

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