Kraftklub zelebrieren in der Frankfurter Jahrhunderthalle großen Sport

Schneller, härter, lauter

Ehrenrunde inklusive: Das Quintett aus Chemnitz hat sich beim Auftritt in Frankfurt mächtig ins Zeug gelegt. - Foto: Sauda

Frankfurt - Kraftklub ist zurzeit eine der angesagtesten deutschen Bands. In der ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle verbreiteten die fünf Chemnitzer mit herausragenden Live-Qualitäten Stadionatmosphäre. Von Ronny Paul 

Nach der ersten Zugabe gibt’s noch einen drauf: Vier von fünf Band-Mitgliedern werden vom Publikum von der Hallenmitte bis zur Bühne auf Händen getragen. „Wer zuerst da ist, hat gewonnen“, gibt Sänger Felix Brummer die Parole vor. Schließlich gewinnt Sänger und Gitarrist Karl Schumann den „Crowd Surfin’-Wettbewerb“. Doch damit ist das Konzert noch lange nicht beendet: Zwei Stunden Indie-Rock, quasi 90 Minuten mit Verlängerung.

Charakteristisch für die Lieder von Kraftklub ist der Wechsel zwischen Felix Brummers Sprechgesang und den gesungenen Refrains von Karl Schumann. Das Konzept hat Erfolg: Die bisher veröffentlichten Langspieler „Mit K“ und „In Schwarz“ standen beide mehrere Wochen auf dem ersten Platz der deutschen Albumcharts.

Tour in ausverkauften Hallen

Die aktuelle Tour führt durch ausverkaufte Hallen. So auch in Frankfurt: Schon vor dem Konzert ist die Menge gut drauf. Ein schwarzer Vorhang vor der Bühne macht’s spannend, die Fans singen und kreischen sich warm. Mit „Für immer“ fällt der Vorhang und die fünf Chemnitzer beginnen so, wie sie aufhören werden: treibender Rhythmus und rifflastige Gitarren gepaart mit den Stimmen der beiden so unterschiedlichen Sänger. Es geht vor allem darum, eine große Tanz- und Pogo-Party zu feiern. Die Atmosphäre gleicht der im Fußballstadion. Die Bandmitglieder unterstützen das nach Kräften: Einheitlich sind sie in Schwarz gekleidet und tragen rote Hosenträger. Viele Zuschauer haben es ihnen gleich getan.

Die Fans auf der Tribüne in der Jahrhunderthalle werden von Brummer ein ums andere Mal aufs Korn genommen und als mögliche Stimmungstöter ausgemacht. Er bringt den Innenraum gar dazu, in Fußball-Fan-Manier „Scheiß Tribüne“ zu skandieren. Band und die „Stehplatz-Ultras“ bilden eine Einheit. Aber auch textlich liefern Kraftklub Mitgröl-Hymnen in Stadion-Qualität: Mit „Ich will nicht nach Berlin“, „Unsere Fans“ und „Meine Stadt ist zu laut“ steigern sie die Stimmung unter den Zuschauern auf Bundesliga-Niveau. Die stört es auch nicht, dass die 18 Songs bis auf wenige Ausnahmen den selben Aufbau und nahezu gleiches Tempo haben. Für Kraftklub zählt wohl die Sportplatzweisheit: Schönheit gewinnt keine Punkte.

Vorgruppe Wanda heizt Publikum ein

Apropos erfolgreich: Die Vorgruppe Wanda hat dem Publikum schon gut mit ihrer Single „Bologna“ eingeheizt. Dafür gibt’s es dann die Belohnung: Zum Ramones-Cover „Blitzkrieg Bop“ dürfen die Wiener eine Ehrenrunde drehen und das legendäre „Hey Ho, Let’s Go“ der Punk-Veteranen mitgrölen. Wie beim Fußball dürfen auch die Bengalos nicht fehlen. Brummer und Co brennen sie beim Titel „Liebe“ auf der Bühne ab, obwohl auf der laufenden Tour bereits ein Lautsprecher in Flammen aufgegangen war und das Konzert deswegen unterbrochen werden musste. Diesmal lassen sie nichts anbrennen und gehen mit „Kein Liebeslied“ in die heiße Schlussphase.

Als dann bis auf den Schlagzeuger alle vier Musiker vor dem Mischpult in der Hallenmitte auftauchen und mit „Deine Gang“ sogar die Tribüne zum Stehen bringen, ist die Stimmung am Siedepunkt. Und mit dem „Crowd Surfin’“-Wettbewerb sowie einem Konfettiregen beim Ohrwurm „Songs für Liam“ lassen sich Kraftklub wie Sieger feiern. Mit dem Zuschauerwunsch „Randale“ drehen sie noch eine Ehrenrunde.

Kraftklub rockt in der Jahrhunderthalle

Kraftklub rockt in der Jahrhunderthalle

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