Konstantin Wecker in Dreieichenhain

Kraftsportler

Da ist es wieder, das alte Weckerleuchten.

„Wer zurzeit nicht wütend ist, dem ist nicht mehr zu helfen.“ Diese Worte schickt Konstantin Wecker schon einmal per Programmheft voraus. Ein großer Sympathiejubel empfängt ihn bei seinem Auftritt in Dreieichenhain. Es zuckt ihm schon in den Fingern, bevor er sich an den Flügel setzt, Aug’ in Aug’ mit seinem elektrifizierten Kollegen Johannes Barnikel.

Musikalisch ist es gleich wieder da, das alte Allegro permanente. Am liebsten alle zehn Finger voll rein in die Tasten. Musik kann ja so ein herrlicher Kraftsport sein. Wozu braucht so jemand eigentlich einen Begleiter, mag man sich fragen. Doch Barnikel darf viel mehr, als nur ein paar zusätzliche Harmonien beisteuern. Denn erstens bewegt sich Wecker oft vom Flügel weg. Und zweitens simuliert Barnikel eine Band. Für die Trompete braucht er nicht einmal die Tasten, die spielt er wirklich.

„Ich leb immer nur am Strand“ war 1974 einer der ersten Erfolge. Wecker preist darin seine „Göttergestalt“, an der sich die Wölfin reibt. Da zieht er sich ironisch das Augenlid herunter. „Ein sehr altes Lied.“ Auch Selbstironie liegt ihm. Mittlerweile.

Das Politetikett hat ihm nie sonderlich behagt. Ein Hedonist ist Wecker, durch und durch. Die Toskana wurde zum Strand des gebürtigen Münchners, Jahrgang 1947. Aber von Politik singt er immer noch gern. Von der bayerischen zum Beispiel. Auch von Neonazismus, Rassismus, Schwulenhass kündet er: „Sag Nein!“ Da ist er wieder, der Kämpfer gegen alles, das falsch läuft auf der Welt.

Die Musik klingt schon immer wie immer. Wecker versteht sich auf das, was er macht. Nach der Pause gibt er sogar die Human Beat Box. Überhaupt wird der Abend immer musikantischer. Bis zu Bianca, Kalinka und Pippi Langstrumpf. Der Kitschsänger bleibt nicht vorenthalten. „Die Siebziger! Was für eine Zeit!“, ruft er. Der bekennende Alt-68er tut die Hoffnung kund, dass es bald Neu-68er geben möge. Bis 2068 ist es noch etwas hin. (zik)

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