Heute erscheint das zweite Soloalbum von Henni Nachtsheim.

Auf Kriegsfuß mit E-Mails und Offenbach

+
Muskelspiel am Strand von Barcelona: Henni Nachtsheim, Ex-Rodgau-Monotone.

Wenn’s um Sport geht, nehme man die blonde Badesalz-Hälfte einfach mal nicht ganz ernst. Den Refrain „Nichts sieht blöder aus als Nordic Walking“ stecken großzügige Schneckenstecher weg. Sie wissen ja selbst, wie doof sie auf ihre gesunde Umwelt wirken. Von Thomas Kirstein

Das muss ihnen nicht der Henni Nachtsheim als bahnbrechende Erkenntnis auf seinem neuen Solo-Album servieren. Schmerzhafter ist da der Titel „Herz rotschwarz gestreift“. Die Nummer bietet, was ihr Titel befürchten lässt – nach witziger Offenbach-Stichelei flachen Eintracht-Kitsch. Aber selbst das soll der notorischen Adler-Nase Nachtsheim verziehen sein. Denn „...dann tanzt die Omma mit George Clooney“, nach „Es wird Zeiten geben“ von 2006 der zweite Alleingang des Ex- und Ur-Monotone, ist ein überwiegend unterhaltsames und flottes Scheibchen geworden.

Musikalisch kommen die zwölf Titel (plus zwei kürzere Radio-Versionen) beschwingt, abwechslungsreich und nicht alltäglich instrumentiert daher. Der alte Rodgaus-Kumpel Ali Neander hat als Produzent im Offenbacher Tonstudio prima Arbeit geleistet. Kompositionen und Arrangements überdecken geschickt, dass Henni nicht die variantenreichste Stimme besitzt.

Die Texte, mit sparsamen hessischen Akzenten, sind witzig, aber tiefgründig genug, dass sie nicht allzu oft in die platte Comedy abgleiten. Die Zuneigungsbeweise in den Liebesliedern haben das Zeug zu Klassikern (so lange sie nicht der Eintracht gelten): Welche andere Liebe könnte tiefer gehen, als wenn sich ein Mann von seinem George-Best-Panini-Bild trennen will?

Große Verdienste hat sich Henni Nachtsheim allerdings mit „Spams, Spams, Spams“ erdichtet: Endlich hat sich die deutsche Liedkultur der – neben Nordic Walking – lästigsten Zeiterscheinung angenommen. Nachtsheim hat in wunderschöne Verse gepackt, was jeden E-Mail-Nutzer tagtäglich in die Verzweiflung, Verwirrung oder Versuchung treibt: „Ich sitz’ auf meinem neuen Fahnenmast seit einer Woche schon, und hab’, was zu meinem Mast gut passt, ’ne Dauererektion. Beides hab ich mir im Internet bestellt...“ Heute stellt er das neue Werk im Sendesaal des Hessischen Rundfunks vor. Dass auch Eintracht Frankfurt angekündigt ist, sollte nicht weiter stören.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare