Kuckuck singt mit Nachtigall

Immer wieder begeistert, wie sich hochkarätige Musiker beim Lauterborner Klavierfrühling in Offenbach präsentieren. Nähe zu den Zuhörern ermöglicht konzentriertes Miteinander und unverfälschtes Erlebnis in der evangelischen Kirche. Davon profitierte Organisator und Pianist Werner Fürst in einer wahren Demonstration mit der hochbegabten Geigerin Bettina Weber.

Johann Sebastian Bachs Sonate BWV 1016 zählt zu den anspruchsvollsten. Im einleitenden Adagio gingen rechte und linke Hand des Pianisten und die Violine eigene Wege, um sich bis zum virtuosen Schlussallegro auf atemberaubendes Niveau zu schrauben. Dazwischen alles, was Bach keiner nachmacht – vollgriffige Akkorde und weitgespannte Figuren, Imitation und Verflechtung, Tanzrhythmik und Elegisches, traumhafte Dialoge und Melodien.

Da war der Sprung zu Mahlers Klavierliedern groß. Klemens Althapp am Flügel und Mezzosopranistin Tanja Herrmann hatten aus „Des Knaben Wunderhorn“ einige der schönsten ausgesucht – das poetische „Rheinlegendchen“, das heitere „Wer hat dieses Liedlein erdacht?“, die fast kabarettistische Fischpredigt oder das satirische „Lob des hohen Verstands“, bei dem ein Kuckuck im Gesangsstreit mit einer Nachtigall vom Esel zum Gewinner gekürt wird.

Auch dramatisch ging es zu. Die temperamentvolle Sängerin setzte sich in „Das irdische Leben“ ergreifend in Szene, während der hervorragende Pianist die Angst des hungernden Kindes in düsteres Moll und Oktavensprünge bannte. In der Ballade „Wo die schönen Trompeten blasen“, in der ein toter Soldat ans Fenster seiner Liebsten klopft, lieferten sie ein visionäres Meisterwerk aus leeren Quinten, verwehenden Marschrhythmen und gespenstischer Trauermusik.

Nach der Pause ging es stilistisch bunt zu. In effektvollen Soli wie Liszts Liebestraum-Notturnos oder Ravels Pavane für eine verstorbene Infantin demonstrierte Meisterpianist Leonid Dorfman alle Nuancen seines Könnens. Mit seiner Duo-Partnerin, der stimmschön registrierten Vilma Pigagaité, lotete er Tiefen und Höhen aus, die abendfüllend gewesen wären. Von Mendelssohns Schwester Fanny Hensel stammten gefühlsträchtige Eichendorff-Lieder wie „Im Herbst“ und „Ach, wie ist es doch gekommen“, „dank“ des Bruders lange unpubliziert.

Bekannter ist Liszts balladesker Gesang zu Heines „Lorelei“, zu berauschender Tonmalerei und konzerthafter Musikerzählung gestaltet. Zu Griegs „Sechs deutschen Liedern“ nach Texten von Goethe („Zur Rosenzeit“) und Walther von der Vogelweide („Die verschwiegene Nachtigall) passten Ernest Chaussons französisch-charmante Frühlingslieder wunderbar. Sonderlob für Fürst und seine sympathischen Mitmusiker! REINHOLD GRIES

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