Kunde von Schattenseite des Lebens

Eine reisende Musikerkommune mit Kind und Kegel: Das ist der Eindruck, den der Clan um die australische Musikerin Clare Bowditch beim Konzert auf der Wiese des Offenbacher Hafen 2 machte.  Von Stefan Michalzik

Derweil zwei Freunde das Vorprogramm bestritten, fegte die Sängerin im Hippie-Kleid mit ihrer Tochter umher, wie viele Mütter bei den sommerlichen Familienkonzerten ohne Eintritt. Ihr Freund Neil gibt den melancholischen Träumer und Schmerzensmann mit der hohen Stimme. „Sun Will Not Rise“, dieser Titel ist programmatisch für die traurigen Songs mit folkiger Melodie. Diese Trauer will schön sein, dagegen ist nichts einzuwenden. Allerdings sind die jungen Singer/Songwriter derzeit Legion, so dass sich das Gefühl einschleicht, derlei zu oft gehört zu haben.

Hernach sang die sich kaum hörbar auf der Ukulele begleitende Aurora Bob Dylans „Don’t Think Twice“ mit einem sich Strophe um Strophe steigernden Pathos, eine Kreuzung aus Joan Baez und Céline Dion. Tief im Folk ist Bowditch verwurzelt. Normalerweise arbeitet die examinierte Musikethnologin, die sich auf ihren Alben exotischer Instrumente bedient, mit üppigeren Besetzungen; derzeit ist die sich selbst auf der Akustikgitarre begleitende Sängerin einzig mit Schlagzeuger unterwegs. Er ist es in erster Linie, von dem der Popdrive ausgeht.

Bowditch, die drei Alben in zehn Jahren veröffentlicht und in ihrer Heimat vordere Hitparadenplätze belegt hat, kündet mit ihrer milde jazzinfizierten Altstimme gleichermaßen von Licht- wie Schattenseiten des Lebens. Von letzteren allerdings entschieden mehr als von ersteren. Sie schildert beispielsweise das Ehe- und Scheidungsdrama einer Freundin, die früh und unbedarft geheiratet hat. Das wirkt wie frisch aus dem Leben gegriffen und souverän in Form gebracht.

Die Songs sind hübsch unprätentiös, und vor allem frei von unnötiger Schwere. Ihren Casio-Synthie hätte Bowditch besser zu Hause gelassen. Auch und gerade der Umgang mit Billigsounds will schließlich gekonnt sein. Gleichwohl hat sie den Eindruck einer interessanten Musikerin hinterlassen. Beim nächsten Mal mag sie gern nicht nur mit Kind und Kegel, sondern mit einer etwas üppigeren Besetzung anreisen!

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