Kundig und stilsicher

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Senza Piano in der Sparkasse Offenbach.

Ohne Klavier, mit Cembalo: Im zweiten Saisonkonzert der Reihe „Senza Piano“ gastierten erfahrene Interpreten Alter Musik im Konferenzsaal der Sparkasse Offenbach. Von Axel Zibulski

Die in Mainz und Mannheim ausgebildete Sopranistin Sabine Goetz arbeitete mit vielen Barockensembles. Für ihren Auftritt hatte sie in dem Musikwissenschaftler und Cembalisten Florian Heyerick sowie dem Barockcellisten Gregor Herrmann versierte Begleiter. Heyerick sprach in ausführlichen Werkeinführungen von zwei „Goldenen Zeitaltern“ in England und Deutschland, mit denen er den Jahrhundertsprung zwischen beiden Konzerthälften erklärte. Werke aus dem England des 17. Jahrhunderts standen neben „Moralischen Kantaten“ des 1767 verstorbenen Georg Philipp Telemann, der gern als Vielschreiber unterschätzt wird.

Sabine Goetz konnte in Telemanns konzisen Kantaten über das „Glück“, den „Geiz“ und die „Zeit“ dieses Vorurteil erfreulich widerlegen. Sie artikulierte treffend und verständlich die feinfühligen Textvertonungen, nie gespreizt oder zu stark verziert, sondern klar und rein. Ihr Sopran war dabei stilsicher schlank, konzentriert und nie zu ausladend geführt. Heyerick gestaltete die Vokalpausen niveauvoll mit einer dreisätzigen Ouvertüre Telemanns sowie einer Suite des in Darmstadt wirkenden, vor 250 Jahren verstorbenen Barockkomponisten Christoph Graupner.

Mit Preziosen aus dem um 1615 erschienenen „Fitzwilliam Virginal Book“ hatten die drei Solisten in der ersten Hälfte bekannt gemacht, mit Klavier-, aber auch Vokalstücken aus der Sammlung, die knapp 300 Werke des elisabethanischen Zeitalters umfasst. Goetz interpretierte die ausgewählten Lieder von Henry Purcell, Thomas Campion und John Dowland empfindsam, reflektiert und doch lebendig, beispielsweise Purcells einfühlsame Shakespeare-Vertonung „If music be the food of love“ oder Dowlands Gesänge von Düsternis und Leid.

Insgesamt konnte sich das Publikum über die äußerst kundigen Musikinterpretationen von Goetz ebenso freuen wie über die nicht weniger fundierten Werkeinführungen von Heyerick.

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