Paavo Järvi bleibt bis 2013 Chef des hr-Sinfonieorchesters

Label als Zukunftsmusik

Orchesterchef Järvi

Er wird als Dirigent in Frankfurt so hoch geschätzt wie im Rest der Welt. Paavo Järvi ist ein Glücksfall für das hr-Sinfonieorchester, das er zum internationalen Spitzen ensemble formte. Mit Erfolgen bei den Londoner Proms, im Concertgebouw Amsterdam, in Paris, China, Japan und auf einer Konzerttournee durch Österreich mit Anton Bruckner im Klanggepäck.

Der steht auch in den nächsten Jahren im Mittelpunkt der Orchesterarbeit. Der estnische Weltklasse-Dirigent, mit zwei Klassik-Grammys ausgezeichnet, hat seinen Vertrag um weitere drei Jahre bis zur Saison 2012/13 verlängert.

Das hat mit der herausragenden Qualität des hr-Sinfonieorchesters zu tun, die Järvi zu festigen verstand. Mit einem Repertoire zwischen Barock und Moderne sowie Projekten wie das von ihm mitinitiierte „Music Discovery Project“, das die Grenzen zwischen Klassik und Rock/ Pop sprengt und so dem Konzertsaal ein junges Publikum erschließen will.

Ein hr-Jugendorchester zu gründen, das steht auf dem Wunschzettel des Maestros. Es sollte die Qualität des Mahler Chamber Orchestra haben, so Järvi, der regelmäßig international junge Ensembles leitet. Selbst eine „Meisterklasse Dirigieren“ hält der aus Tallinn stammende Pultstar für möglich. Ein hr-Plattenlabel sei erstrebenswert, obwohl Zukunftsmusik.

Dafür kann der Sender dann auf Werke von Bruckner, Brahms, Mahler und Dvorak zurückgreifen, von den hr-Sinfonikern, für EMI/Virgin oder Sony BMG produziert. Järvi, der kürzlich beim hr-Konzert eine Sinfonie des estnischen Zeitgenossen Erkki-Sven Tüür uraufgeführt hat, sieht in der Moderne eine große Chance für dieses Label, das von kommerziellen Zwängen weitgehend frei sein sollte. Vielleicht bedingt durch das Ensemble Modern habe Neue Musik in Frankfurt erstaunliche Akzeptanz, sagt der Este, derzeit auch Chef des Cincinnati Symphony Orchestra. In den USA sei das ganz anders.

Zudem will der Maestro alle sechs Sinfonien des Dänen Carl Nielsen mit dem hr-Sinfonieorchester erarbeiten, den er für den bedeutendsten Sinfoniker des 20. Jahrhunderts hält. Auf die Frage, welchen Komponisten er überhaupt nicht schätze, denkt Järvi lange nach. „Manche Stücke von Richard Strauss“, dessen sinfonische Dichtungen er aber mag. Oder Hans Pfitzner, mit dem er sich in ein paar Jahren vielleicht beschäftigen werde. Selbst zu komponieren, dafür reiche seine Zeit nicht. Aber es gibt wenige Dirigenten, die auch geniale Komponisten waren: Gustav Mahler etwa, mit dessen 9. Sinfonie Järvi und die hr-Sinfoniker am Samstag das Rheingau Musik Festival eröffnen. KLAUS ACKERMANN

Kommentare