LaBrassBanda im ausverkauften Capitol

Chiemgauer Turbo-Bläser-Wahnsinn

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Begnadeter Animateur: Stefan Dettl, Frontmann von LaBrassBanda.

Offenbach - Gscherte Hund san"s scho, die LaBrassBanda. Lassen das ganze Publikum im ausverkauften Capitol in Offenbach „I like da battyman“ skandieren. Von Christian Riethmüller

Ob da jeder Besucher verstanden hat, was die gegen die Homophobie mancher jamaikanischer Reggae-Stars gerichteten Zeilen eigentlich bedeuten, darf gewiss bezweifelt werden, doch der Texte wegen geht wohl auch niemand zu einem Konzert der furiosen Band aus Übersee im idyllischen Chiemgau. Die von Sänger und Trompeter Stefan Dettl in rasendem Tempo und schönster Chiemgauer Mundart vorgetragenen Raps, Scats und Gesänge dürfte nämlich selbst ein Oberbayer nicht immer gleich verstehen.

Dafür gibt es bei der Musik keine Verständigungsschwierigkeiten. Dem teils tollkühnen, aber immer zündenden Mix aus Blasmusik, Reggae, Ska, Funk, Balkan-Brass und Techno kann man sich kaum entziehen. Das ist vor allem der überragenden Musikalität der mittlerweile auf acht Mitglieder angewachsen Band geschuldet. Fast alle haben nicht nur das Konservatorium abgeschlossen, sondern unterrichten auch Musik.

Das verleiht ihnen eine unmerkliche Aura, den Saal über fast zwei Stunden wie eine lernbegierige Klasse nach Belieben in einen Chor oder einen die Arme in die Höhe reckenden Fanclub zu verwandeln. Wer die Band schon öfter auf der Bühne erlebt hat, weiß um diese Rituale. Im Capitol waren allerdings auch viele Debütanten, die LaBrassBanda vermutlich erst seit ihrem Lied „Nackert“ kennen, mit dem sie fast beim Eurovision Song Contest gelandet wären (den sie vermutlich sogar gewonnen hätten). Diese Konzertgänger ebenfalls sofort für den Chiemgauer Turbo-Bläser-Wahnsinn zu begeistern, ist selbst für einen geborenen Animateur wie Dettl eine immer wieder bemerkenswerte Leistung.

Open Doors mit 60 Bands

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Da fällt es auch erst in der Rückschau ins Gewicht, dass bei all den Animationen der barfüßigen Truppe doch manches heißgeliebte Stück von den Alben „Habediehre“ und „Übersee“ der allgemeinen Gaudi und dem Lauf der Zeit wegen auf der Strecke bleiben musste. Aber jetzt wird ja ohnehin „Europa“ rasant der Marsch geblasen.

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