Lächeln angesichts jugendlicher Geistessprünge

Als richtige Wahl für das Klosterkonzert zum Tag des offenen Denkmals in Seligenstadt erwies sich das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim. Dirigent Reiner Schmidt wurde für seine behutsame Leitung und intelligente Programmwahl in der Basilika heftig beklatscht. VonReinhold Gries

Jubilar Felix Mendelssohn Bartholdy schrieb seine Streichersinfonie Nr. 7 d-moll mit 13 Jahren. Erstmals nahm das Wunderkind ein „gebrochenes“ Thema, wie es Mozart liebte, und ließ ein Seitenthema à la Haydn erklingen. Nicht immer konsequente Fugierung orientierte sich an Händel, im Trio war ein Beethoven-Scherzo zu erkennen. Schmidt ließ hineinhören in Sturm und Drang des quicklebendigen Allegro, in die Lyrik des Andante, ins Menuett im Divertimento-Stil und ins brodelnde Schlussallegro. Die sehr homogenen Streicher konnten sich ob einiger jugendlicher Geistessprünge ein Lächeln nicht verkneifen.

Nicht oft aufgeführt wird Haydns Kantate „Arianna a Naxos“. Mit ihr debütierte der von 200 Jahren Verstorbene 1791 in London. Warum er das in „The Ladies’ Concert“ tat, die Ariadne-Sängerin am Klavier begleitend, wurde im Auf und Ab der stimmgewaltigen Mezzosopranistin Clarry Bartha nachvollziehbar. Nicht jedem des Italienischen unkundigen Zuhörer war indes klar, worauf sich Wut, Verzweiflung und Klage bezogen. Wie sich eine Frau fühlt, die vom Liebsten, dem sie das Leben gerettet hat, auf einer Insel zurückgelassen wird, machte das opernhafte „Tesio mio ben“ glaubhaft.

Auch bei Benjamin Brittens „Variations on a Theme of Frank Bridge“ konnte das Publikum sich an der Musik berauschen, ohne zu erfahren, mit welchem Ideenreichtum der Brite 1937 die Salzburger Festspiele eroberte. Mit Variationen hatte er seinem Ziehvater und dessen walzerhaftem Thema gehuldigt. Virtuos entwarf das Kammerorchester in „Introduction and Theme“ ein Kaleidoskop des schöpferischen Menschen.

Es folgten zehn Charakterstudien in gemäßigt moderner Klangsprache. Brittens Adagio stand für Bridges Integrität, der Marsch strahlte dessen Energie aus und die Romanze dessen Klangzauber. Die Aria Italiana entwarf ein Bild der Rationalität. Es folgte die Bourrée Classique für Bridges Traditionsliebe, ein Wiener Walzer für seine fröhliche Art, das Moto Perpetuo für seinen Enthusiasmus. Wundervoll gelang es den Pforzheimern, Klangbilder für Ehrfurcht und Feinsinn in das Streichergewand eines Trauermarsches, eines Kirchengesangs oder einer Fuge zu kleiden. Das Finale illustrierte schwärmerische Zuneigung.

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