Sudden Orchestra

Lässige Eleganz und Spielkultur

Offenbach - Lazyness an einem sonnigen Nachmittag. Auf der Wiesenbühne des Offenbacher Hafen 2 spielt eine famose Jazzband. Die Musik groovt locker beschwingt, als sei sie sie nur für diesen Moment geschaffen. Von Stefan Michalzik

Alles passt ideal, ein Bild der Harmonie von Ort, Situation und Musik. Das Offenbacher Quartett Sudden Orchestra, bestehend aus dem Vibraphonisten Johannes Held, dem Kölner E-Gitarristen Julian Keßler, Don Hein am Kontrabass und dem Leader Lutz Jahnke am Schlagzeug, ist kurzfristig für die ursprünglich annoncierte australische Folkrockband The Wishing Well eingesprungen – die wohl niemand ernstlich vermisst haben dürfte. Die vier Musiker des Sudden Orchestra musizieren mit Verve, vor allem herrlich entspannt, gleich wie geschwind das Spiel auf dem Vibraphon oder die Läufe auf der Gitarre auch sein mögen.

Die Bandmitglieder sind überwiegend noch jung, ihre Musik indes ist durchaus von der alten Schule: Es handelt sich um einen Traditional Modern Jazz. Sudden Orchestra scheren sich nicht um die Zukunft des Jazz, bemerkenswerterweise mutet ihre Musik aber nicht altbacken an. Das dürfte vor allem einer undogmatischen Spielhaltung geschuldet sein: Die Musiker verströmen eher eine Aura von Indie-Clubs als die eines Jazzkellers. Der Anspruch ist zwar ganz gewiss kein avantgardistischer, als Traditionalisten indes dürften sich Sudden Orchestra wohl schwerlich verstehen.

Die Struktur ist transparent. Der Sound des Gitarristen Julian Keßler ist klar und warm, Johannes Held am Vibraphon schreibt die Melodielinien immer weiter fort ohne auszuufern. Bassist Don Hein und Schlagzeuger Lutz Jahnke sind Rhythmiker von unaufdringlicher Präsenz. In dieser durchweg stark besetzten Ensemble drängt sich niemand über Gebühr nach vorn, die Gewichte sind wunderbar austariert.

Dieses Quartett ist ein wahres Kleinod, was die lässige Eleganz und die gemeinsame Spielkultur anbetrifft. Spektakulär ist an den Hervorbringungen des Sudden Orchestras nichts – und genau darin liegt die Qualität.

Rubriklistenbild: © Thomas Siepmann/pixelio.de

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