Lässige Lehrstunde

Tommy Emmanuel ist ein Akustikgitarrenrocker. Der Gebrauch des elektrifizierten Instruments gehört zwar zur Praxis des australischen Autodidakten. Für diesen Soloabend in der Frankfurter Jahrhunderthalle aber bleibt es außen vor. Von Stefan Michalzik

Emmanuel hält mit seiner brillanten Technik ganz gewiss nicht hinter dem Berge. Der 54-jährige Hüne mit dem weißgrauen Haar ist ein Gitarrist der Gitarristen, um das englische Wort vom Musiker, der von vielen Musikern verehrt wird, abzuwandeln. Am Verkaufsstand im Foyer liegen seine Gitarrenlehrbücher aus; im Publikum finden sich auffällig viele Jungs in Begleitung ihrer Eltern, die es Emmanuel wohl einmal gleichtun wollen.

So virtuos das Spiel des erzählfreudigen, zur Selbstironie befähigten Entertainers auch sein mag, so sehr ein gewisses Maß an Selbstgefälligkeit dem Wesen des Virtuosentums meist anhaftet: Seelenlos chromblitzend ist die Brillanz von Tommy Emmanuel nicht. Er schöpft aus der Ursuppe der amerikanischen Musik, aus Bluegrass, Country und Blues. Sein großes Vorbild Chet Atkins, dem er im Klangbild bis zur Verwechslungsgefahr nahe kommt, verdankt er extrem viel, nicht zuletzt die betont lässige Attitüde.

Seine besten Momente hat Tommy Emmanuel, wenn er Standards von Terry Reed oder den Beatles bis zu Duke Ellington aufgreift. In der afrikanisch inspirierten eigenen Nummer ,,Mosambique“ funktioniert er den Gitarrenkorpus zum Perkussionsinstrument um, in einer so zirzensischen wie mitreißenden Weise. Eine Hommage an die Aborigines, die Ureinwohner Australiens, missrät zum Soundkitsch übler Natur. In einem einer seiner Töchter zugewidmeten Lied begibt sich Emmanuel glücklos auf das Terrain des Schlagers.

Der hawaiianische Ukulelenspieler Jake Shimabukuro, der das Konzert eröffnet hatte und den Emmanuel zum finalen Duett auf die Bühne bat, zeigt ohne sonderliche Aussagekraft mit jeder Nummer, dass er sein Instrument mit äußerster Kunstfertigkeit beherrscht. Wie Shimabukuro mit den Genre-Größen auf dem Deutschen Jazzfestival im Herbst standzuhalten vermag, das ist immerhin eine spannende Frage.

Regelmäßig im Jahrestakt kehrt Tommy Emmanuel neuerlich wieder zu Konzerten zurück. Das nächste hat er schon angekündigt, für den 20. März 2011 an gleicher Stelle. Dann mit E- und akustischer Gitarre samt Band. Es läuft eben nicht nur auf dem Griffbrett alles wie am Schnürchen bei diesem Mann.

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