„The Kooks“ zeigt sich in der Stadthalle Offenbach auch von seiner tanzbaren Seite

Die Lagerfeuer hinter sich gelassen

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Kooks-Frontmann Luke Pritchard.

Offenbach - Nach dem Tee noch ein Spaziergang zum Meer, den Möwen beim Muschelknacken zusehen. Vielleicht kommt ja noch die Sonne durchs Grau über dem Ärmelkanal, und wenn nicht, dann wärmt eine schöne Melodie das Herz: „Do you want to go to the seaside. . ." Von Christian Riethmüller

Vor bald zehn Jahren hat ein schüchterner junger Kerl aus Brighton, der kaum den Blick von seinen Füßen nehmen konnte, dieses Lied mit dem Titel „Seaside” angestimmt und man müsste sich schon Wachs in die Ohren stopfen, wollte man diesem kurzen, nur von einer akustischen Gitarre begleiteten Seufzer nicht auf immer verfallen. Heute ist Luke Pritchard nicht mehr schüchtern, sondern stellt sich ganz selbstverständlich vor tausende Menschen wie nun in der bei weitem nicht ausverkauften Stadthalle in Offenbach, um gemeinsam mit einem vielstimmigen Chor davon zu künden, dass er einst am Meer die Liebe fand.

Pritchards offenkundiges Selbstvertrauen ist nicht der einzige Gewinn in der Evolution seiner Band The Kooks. Das Quartett aus Brighton hat sich auch musikalisch weiter entwickelt und sich spätesten mit seinem jüngsten Album „Listen“ auf neues Terrain gewagt. Verbanden die Kooks bisher in famosen Popsongs wie „She moves in her own way“ sowohl Sixties-Flair als auch Postpunk-Drang, haben sie nun mit Rhythmen experimentiert, die so gar nicht zum Charme kleiner Lagerfeuer-Beatles passen.

Pritchard, Gitarrist Hugh Harris, Bassist Peter Denton und Schlagzeuger Alexis Nunez haben Funk und R&B für sich entdeckt und sogar mit einem Hip-Hop-Produzenten zusammengearbeitet, was auch beim Konzert in der Stadthalle bisweilen in Nunez’ Schlagzeugspiel zu hören war. Da waren statt der Beatles plötzlich Bands wie INXS oder die Thrills Bezugspunkt. Ansonsten präsentierten sich die Kooks während ihres knapp achtzigminütigen Auftritts aber nicht etwa runderneuert, sondern nur tanzbarer als gewohnt.

Überraschender Groove

Schon vom ersten Stück - „Around Town“- an, sorgte vor allem Bassist Denton für einen überraschenden Groove, der die bisher bewährte Formel mittelschneller Gitarrenrocker und akustisch gehaltener Folkpop-Songs um eine reizvolle Komponente erweiterte. Nicht immer passte die Programmabfolge mit beliebten Hits wie „Oooh La“, „Eddie’s Gun“ oder dem überragenden „Sway“ zu den neuen Songs wie „Westside“, „Bad Habit“ oder „Forgive & Forget“ die mit funky Gitarren und einem tanzenden und sich windenden Frontmann Luke Pritchard so gar nichts mit dem zarten Geschrammel etwa von „Seaside“ zu tun haben.

Für einen ergreifenden Moment von „Seaside“-Format sorgte Pritchard aber, als er sich ans Keyboard setzte, um mit „See me now“ eine seinem verstorbenen Vater gewidmete Miniatur zu spielen, die auch zeigte, dass die englische Band ihre alten Stärken nicht gänzlich für festivaltauglichen Dance-Rock drangegeben hat.

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