Milow-Konzert im Capitol

Lagerfeuerromantik ohne Flamme

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Von Lied zu Lied wurden die Gitarren kleiner: Milow war im Offenbacher Capitol zu Scherzen aufgelegt.

Offenbach - Weniger ist mehr: Milow macht auf seiner Tour auch im Offenbacher Capitol Halt. Mit dem Lied „Ayo Technology“ hatte er seinen Durchbruch in der Welt des Pop. Von Barbara Wellmann

Nach seiner ausgedehnten Konzertreihe im vergangenen Jahr, besinnt er sich nun aufs Wesentliche: Nach dem Motto „Weniger ist mehr“ (Less is More) macht Milow auf der gleichnamigen Tour in Deutschland Halt in Offenbach und Köln. Im Capitol zeigt er, dass seine Musik live mit seinen enthusiastischen Fans am besten funktioniert und dass er ein guter Geschichtenerzähler ist. Er hat den Stecker gezogen und präsentiert unplugged seine größten Hits vom Album „From North To South“, aber auch Brandneues.

Der 31-jährige Belgier, mit bürgerlichem Namen Jonathan Vandenbroeck, erzählt vor „Loneliest Girl In The World“ von seiner Großmutter, die ihn zu dem Lied inspirierte. Von den unterhaltsamen Anekdoten zwischen den Stücken hätte es gern mehr geben können. Vor „Born In The Eighties“ erinnert er sich an seine Studentenzeit, daran, wie sich seine Eltern trennten. Er singt über Dinge, die einfach passieren, die sich nicht kontrollieren lassen. Dabei steht Milow allein auf der Bühne: er, seine Gitarre und seine Stimme. Mehr braucht der charismatische Mann nicht, um zu faszinieren.

Nachdenkliche Texte

Noch mehr Harmonie und Wärme erhalten seine Lieder in Kombination mit dem Gitarristen Tom Vanstiphout, insbesondere wenn dieser mit der Mundharmonika Country-Klänge einbringt. Die Texte stimmen nachdenklich, seine Stimme, die pur, klar und sehr kraftvoll den Raum erfüllt, geht unter die Haut. Die Gitarrenklänge – von Lied zu Lied wird die Gitarre kleiner, ulkt er, als er zwischen den acht Instrumenten auf der Bühne wählt – animieren zum Mitklatschen.

Milow überrascht mit einem Hauch keltischer Rhythmen beim neuen Stück „The Orange Grove“ und amüsiert mit einem alternativen Ende von „You And Me (In My Pocket)“. Bei „She Might, She Might“ jubelt das Publikum – vor allem in den vorderen Reihen, die restlos von Frauen dominiert werden. Die Pärchen haben ihnen den Vortritt gelassen, weil es sich hinten besser kuschelt. Denn Milow weiß, wie man Schmusepop macht.

Nähe zum Publikum

Seine Musik ist schnörkellos und genauso bodenständig, wie er selbst. In Jeans und T-Shirt wirkt er wie der Junge von nebenan. Die Nähe zum Publikum ist für ihn selbstverständlich: Per Facebook konnten sich Fans Lieder wünschen, aus dem Flugzeug twitterte Milow seine Vorfreude auf Offenbach, und nur wenige Stunden nach dem Konzert verteilte er ein Foto der jubelnden Menge via Instagram.

Auch die Zugaben hält er inmitten des Publikums – Berührungsängste kennt er nicht. Ganz ohne Flammen verbreitet er Lagerfeuerromantik. Dass er sich nun erst einmal zurückziehen wird, um ein neues Studioalbum aufzunehmen, akzeptieren die Fans. Er wird 2014 wiederkommen, sagt er – und wenn jemand wie Milow etwas verspricht, weiß jeder, dass er darauf vertrauen kann. Der Junge von nebenan hält immer sein Wort.

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