Wie die Arbeitswelt die Gesellschaft formt

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Laibach in der Frankfurter Batschkapp, 7. Dezember 2009

Laibach, bekanntester Export des Künstlerkollektivs NSK (Neue Slowenische Kunst), gastierte in der Frankfurter Batschkapp. Nur einige Wochen vor dem 30-jährigen Bandjubiläum ziehen die kritischen Darsteller Bilanz und demonstrierten einen bunten Querschnitt ihrer Werke mit gut ausgewählten Gästen. Von Holger Strehl

Mehr zu Laibach:

www.laibach.nsk.si/ 

Veranstaltungsort:

www.batschkapp.de

Als Gegner jeglicher Moral und Provokateure mit kritischem Blick präsentieren sich Laibach seit nun mehr fast drei Dekaden. Die vierköpfige Band um Kopf und Sänger Milan Fras spielen seit Beginn der 80er Jahre mit einer beeindruckenden Ästhetik und erheben das Spiel mit der Ideologie zur hohen Kunst. Laibachs visuelle Veranschaulichung sympathisiert mit Symboliken aller politischen Richtungen. Oft gerieten sie in Kritik, weil das Spiel mit totalitär wirkenden Zeichen falsch verstanden wurde. Ihre ästhetische Ausrichtung ist frei und offen und lässt somit ein großes Spektrum an Interpretationsspielraum zu. Sowohl Zustimmung als auch Ironie spiegelt sich in der Kunst der Slowenen wider.

Im kommenden Jahr feiern Milan Fras und seine Mannen das 30-jährige Bestehen. Kurz zuvor ziehen die Herren noch einmal Bilanz und gingen ohne neues Album im Gepäck auf Europa-Tournee, um einen aussagekräftigen Querschnitt ihres bisherigen Schaffens live wiederzugeben. Um den alten Industrial-Rock-Stücken neuen Klang zu verpassen, setzten sie sich nicht selbst an die Mixer, sondern baten Künstlerkollegen des englischen Goa-Techno-Duos Juno Reactor um Mithilfe. Die Briten mit dem Ethno-Elektro-Sound waren auf der Bühne mit von der Partie und hauchten den älteren Stücken neues Leben ein.

Bilder vom Konzert

Laibach in der Batschkapp Frankfurt

Laibach verzichtete trotz Gäste auf eine direkte Inszene-Setzung und blieb das ganze Konzert über im Dunkeln. Sprechen sollten die Bilder und Videos, die auf zwei Leinwänden dem Konzertabend seine Optik gaben. Im typischen Stil der Band fand keine direkte Aussage statt, doch die Gegenüberstellung von mechanischer Arbeitswelt, dem ziellosen Streben nach mehr und der menschlichen Suche nach Nähe und Sexualität waren unverkennbar. Die Darstellung des Körpers als Maschine, als blind funktionierendes Werkzeug und der damit einhergehende Verlust des eigentlichen Strebens nach Gefühlen wurde deutlich. Die kontroverse Gegenüberstellung zeigte sich als roter Faden des Abends in der Frankfurter Batschkapp und verdeutlichte das Streben nach den falschen Zielen der gegenwärtigen, krisengeschüttelten Zeit.

Mehr zum NSK-State:

www.nskstate.com

Seit 1992 proklamiert die NSK ihren eigenen Traum vom grenzenlosen und virtuellen Staat, dem NSK-State. Sie geben sogar Reisepässe und Briefmarken heraus und erhalten seitdem weltweiten und stetigen Zuwachs an gleichgesinnten Freigeistern rund um den Globus. Die Idee einer freien Welt ohne die Ketten der Moral, die zur Unterdrückung der freien Entwicklung führt, ist beispiellos und wegbereitend. Bleibt zu hoffen, dass den Slowenen zukünftig mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, denn sie stellten in Frankfurt erneut unter Beweis, dass sie zu den unkoventionellsten, mutigsten und frischesten Künstlerkollektiven der Gegenwart zählen. Tanzt mit Laibach...

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