Laien-Ensemble mit Bildungsauftrag

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Am 8. November gastiert das Orchester mit seinem Jubiläumsprogramm um 18 Uhr in der Offenbacher Markuskirche.

In eine neue Epoche startet das Sinfonieorchester des Philharmonischen Vereins, der 1834, also vor 175 Jahren, in Frankfurt gegründet wurde, und sich nach manchen Höhen und Tiefen in seiner Geschichte im Jubiläumsjahr in guter Verfassung darstellt. Von Eberhard Mittwich

Der Verein ist historisch eng verbunden mit dem Zeitgeist zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Zahlreiche bürgerliche Liebhabervereinigungen zur Pflege des Kulturlebens wurden gegründet, so wie der später so genannte „Philharmonische Verein“.

Aloys Schmitt, ein Pianist und Komponist, war, neben anderen, Gründer und nachfolgend erster Leiter des Laienorchesters: Sein „Tongemälde für großes Orchester“ (1823) wird im Konzert zum Gründungsfestakt am 7. und 10. November im Frankfurter Dr. Hochs Konservatorium wohl zum ersten Mal erklingen. Am 8. November gastiert das Orchester mit seinem Jubiläumsprogramm um 18 Uhr in der Offenbacher Markuskirche.

Mitglied der Patrizierfamilie d’Orville gehörte zu Gründern

Die Gastspiele beiderseits des Main kommen nicht von Ungefähr: Seit jeher unterhält der Philharmonische Verein enge Bande zwischen den Nachbarstädten. So gehörte ein Mitglied der Offenbacher Patrizierfamilie d’Orville zu den Gründungsmitgliedern.

Nachdem die konservativ, zuweilen auch reaktionär geprägte Ära früherer Jahrzehnte als überwunden gelten darf, zeigt sich der Verein als blühendes Ensemble im Rhein-Main-Gebiet. Die gutnachbarliche Verbindung zu Offenbach und die dort regelmäßig hervorragend besuchten Konzerte werden ausdrücklich hervorgehoben, so dass die Schirmherrschaft von Offenbachs Oberbürgermeister Schneider nicht verwundert.

Das selbstverwaltet organisierte Orchester, bereits seit 27 Jahren unter der Leitung von Armin Rothermel, pflegt das sinfonische Repertoire des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, insbesondere Beethoven, Schumann und Brahms, wobei bedauert wird, dass die frühklassischen Werke wie von Mozart und Haydn entgegen den ausdrücklichen programmatischen Intentionen der Gründer nicht mehr ausreichend gepflegt werden: Wohltat wurde hier zur Plage, denn die derzeit erfreulich vielen Mitwirkenden wollen beschäftigt werden, was bei den eher kammermusikalisch geprägten Besetzungen der Frühklassik problematisch wäre. Die Festkonzerte legen aber gleichwohl Zeugnis ab von der künstlerischen Vielfalt des Orchesters.

Erstrebter Einklang mit der Moderne

Charakteristisch für sein Zeitgefühl im erstrebten Einklang mit der Moderne ist der Kompositionsauftrag an den Frankfurter Gerhard Müller-Hornbach, den er mit dem Stück „In die Zeit – rituelle Gesten“ für einen Schlagzeuger und Orchester im künstlerischen Einvernehmen mit den Laienmusikern erfüllt hat, das anlässlich des Jubiläums uraufgeführt wird.

Abschließend will das Orchester mit Hector Berlioz’ „Symphonie fantastique“ op. 14, den leidenschaftlich musizierten „Episoden aus dem Leben eines Künstler“, beweisen, dass es vom Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts, Müller-Hornbach, kongenial zum programmmusikalischen Schöpfer der französischen Romantik zurückfinden kann. Man darf gespannt sein.

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