Für Laien sehr anspruchsvoll

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Kreis-Chorleiter Bernhard Seelbach in Aktion

Was ist so alt wie das Büsingpalais? Das Konzert im Advent des Sängerkreises Offenbach. Vor 25 Jahren wurde die nach der Kriegszerstörung glanzvoll wiederaufgebaute „gute Stube“ eingeweiht; im selben Jahr begann dort eine Musiktradition, die bis heute nicht abgerissen ist. Von Markus Terharn

Noch etwas ist alle Jahre wieder gleich: Lange vor Beginn sind die Karten vergriffen. „Diesmal waren wir ganz früh ausverkauft“, berichtet der Kreis-Chorleiter Bernhard Seelbach. Der Dirigent hat die Veranstaltung mit der großen alten Dame der Offenbacher Chorszene, der im Februar verstorbenen Irmgard Dedio, begründet und führt sie mit Unterstützung der Stadt fort.

Ein Verein ist bereits seit einem Vierteljahrhundert dabei: Concordia Bieber, diesmal vertreten durch Jungen Chor (Leitung: Katja Blumenhein) und Männerchor (Seelbach). Zu Gast ist die Bieberer Polyhymnia mit ihrem Frauenchor, geleitet von Peter Josef Kunz von Gymnich. Außerdem lässt sich ein Projektchor des Sängerkreises vernehmen, den Seelbach selbst zusammengestellt hat und der allein 70 Köpfe zählt.

Erstmals gesellt sich der Orchesterklang der Neuen Philharmonie Frankfurt dazu

Gesang aus etwa 125 Kehlen erlebt das Publikum beim Jubiläumskonzert am Sonntag. Dazu gesellt sich erstmals der Orchesterklang der Neuen Philharmonie Frankfurt, die 35 Instrumentalisten abstellt. „Es ist sicher ein Höhepunkt in diesen 25 Jahren“, freut sich Seelbach. Und das, obwohl nur eine einzige Gesamtprobe möglich ist.

Zu den Chorsängern stoßen namhafte Solisten: Michaela Mehler-Friedrich (Sopran), Judith Berning (Alt-Mezzosopran), Dirk Eisermann (Tenor) sowie Martin Wehner (Bass-Bariton). Die Moderation übernimmt Ralph Philipp Ziegler, zugleich künstlerischer Leiter der Neuen Philharmonie und Chef des Forums Kultur und Sport.

"White Christmas" mit christlicher oder politischer Botschaft

Von einem „Adventskonzert“ spricht der Gesamtleiter nicht – stehen doch keineswegs nur vorweihnachtliche Weisen auf dem Programm. Anspruchsvolle Werke hat Seelbach ausgewählt, „zumal für Laienchöre“, betont er. Es ist ein Querschnitt durch das Repertoire, Abwechslung ist Trumpf. Brahms’ Alt-Rhapsodie findet sich ebenso wie Stücke aus Mozarts Freimaurer-Kantate und dessen Ave Verum. Von Schubert erklingt „Die Allmacht“, von Mendelssohn das Salve Regina, von Bruckner der Schlusschor aus der Festkantate.

Wenn am Ende Irving Berlins berühmtes „White Christmas“ ertönt, von den Solisten auf Englisch vorgetragen, fällt mit den Chören auch das Publikum ein – auf Deutsch. Bernhard Seelbach verweist darauf, dass die Botschaft wahlweise christlich oder politisch zu deuten ist. „Und ein einz’ger Wunsch stellt sich ein: Möcht’s auf Erden Frieden immer sein!“ Wer würde da nicht einstimmen?

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