Konzert in Offenbachs Markuskirche

Laienorchester musiziert auf gutem Niveau

Offenbach - Mit dem Konzert in der Offenbacher Markuskirche erfüllte das Sinfonie-Orchester des Philharmonischen Vereins die schon traditionelle Dreizahl der Aufführungen. Von Eva Schumann

Dass sich das Laienorchester außerdem leisten konnte die Programme zu variieren, ist ein Zeichen für das hohe Maß an Professionalität. Anstelle des in Frankfurt aufgeführten zweiten Klavierkonzerts von Rachmaninoff war in Offenbach Elgars Cellokonzert zu hören. Umrahmt wurde es von zwei sinfonischen Werken der Romantik. Ein passender Auftakt war die Tragische Ouvertüre von Brahms op. 81. Sie ist durchaus kein Einspielstück, doch das Orchester war sofort voll präsent. Akkurat und mit Wucht saßen die Schläge, präzise gingen die Musiker auf die metrischen und Tempo-Wechsel ein. Rothermels klar vermittelte Dramaturgie ließ die Klanggruppen sich entfalten und hob die Bläsergruppe plastisch hervor.

Im selben Jahrzehnt entstanden ist Dvoraks 8. Sinfonie op. 88. Neben liedhaft Poetischem hat sie jedoch auch schroffe, dramatische Züge, die Rothermel prägnant heraus arbeitete. Hier störte allerdings gelegentlich überzogene klangliche Härte und Schärfe, die weitgehend der Raum-Akustik geschuldet ist. Die zahlreichen Stimmungswechsel verlangten vom Orchester hohe Flexibilität; nach winzigen Einstiegsproblemen folgte es dem Dirigat mit Verve. Während die Bläser einige weniger glückliche Momente hatten, gefiel die Cello-Gruppe besonders. Das schwungvoll tänzerische Gracioso hätte etwas anmutiger klingen können. Ein Höhepunkt aber war das Finale mit grotesken Kontrasten und einem donnernden Schluss.

Ausgesprochen schwermütigen Charakter trägt Elgars Cellokonzert, während des Ersten Weltkriegs entstandener Abgesang einer Ära. Der Herausforderung stellte sich der 1984 geborene peruanische Cellist Aparicio-Boherquez. Seine Deutung überzeugte durch Expressivität, die Schwulst und ausufernde Temposchwankungen vermied. Kraft und Dominanz wechselten mit kammermusikalischem Musizieren, vorwärtsstürmendes Temperament mit versunkenem Gesang. Beredt phrasierte der Musiker rezitativische Partien und Kantilenen, packend die Übergänge. Fast überwältigend schön waren das Adagio und der Klagegesang des letzten Satzes. Unter Rothermels Leitung war das Orchester ein sensibler Partner, das mit sauberen Unisoni und flexibler Dynamik den Dialog mit ihm führte oder sich bis ins Pianissimo zurücknahm.

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