Laith Al-Deen in Frankfurt

Rock-Poet und Pop-Rebell

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Laith Al-Deen geht im Januar auf Deutschlandtournee und kommt nach Frankfurt in die Batschkapp. Drei Jahre Pause hat sich der Musiker gegönnt.

Frankfurt - Umarmung für die Ohren: Laith Al-Deens Stimme ist unverwechselbar. Rau raschelnd, wohlig warm. Drei Jahre hat der Musiker gebraucht, um sein achtes Studioalbum aufzunehmen. Von Eva-Maria Lill 

Laith Al-Deen? Ist das nicht der Typ mit dem Kinnbart? Der mit dem Nerv-Radiodudler „Bilder von Dir“? Hat der eigentlich noch was anderes gemacht? Der Halb-Iraker ist ein Künstler, der gern in Schubladen verschwindet. Auf der prominentesten steht „Wischiwaschi-Deutschpop“, auf der anderen „Vergessener Kuschelpapst“. Wer den 42-Jährigen einmal live erlebt hat, begegnet dieser Einordnung mit zorniger Entschlossenheit. Auf der Bühne ist Laith Al-Deen vieles. Und vor allem mehr. Rockiger. Experimentierfreudiger, Tanzbarer, Individueller.

Vierzehn Jahre und über eine Million verkaufte Tonträger ist es her, seit der Karlsruher mit dem Cover der B-Zet-Nummer „Everlasting Pictures“ die öffentliche Bühne betrat. Sowohl das Original als auch Al-Deens eingedeutschter Hit wurden übrigens vom Offenbacher Studio Schallbau produziert. Acht Alben später hat er das Team gewechselt: Neuer Musik-Papa ist Peter-Maffay-Gitarrist Peter Keller.

So wirkt Musik auf unsere Körper

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„Das war am Anfang schon eine Umstellung“, berichtet der Wahl-Mannheimer, „Ein neuer Produzent grätscht eine Maschinerie an, die immerhin seit dem Jahr 2000 gut funktioniert. Aber ich bin Reibereien gewöhnt – und war schon immer ein Sturkopf.“

Erstmals durfte die komplette Live-Band mit ins Aufnahmestudio. „Das war ein bisschen wie Kindergeburtstag. Wenn fünf Typen zusammen Musik machen, ist das erstmal chaotisch.“ Ergebnis: Die Scheibe „Was wenn alles gut geht“, die seit Ende Oktober in den Läden steht.

Der Weg zum Album war alles andere als einfach. Depression, Lebenskrise, Kunstverdruss: „Die Kritik zu den letzten CDs war negativ. Ich habe alles angezweifelt.“ Drei Jahre ringt Al-Deen mit dem Gefühl, ausgebrannt zu sein und stumm zu bleiben. Jede Zeile klingt falsch. „Ich habe viel ausprobiert, um zurückzufinden. Habe Blues- und Funksongs geschrieben, eine halbe Heavy-Metal-Platte aufgenommen.“

Rockiger, mutiger, härter

Das neue Album ist rockiger, mutiger, härter. Der deutschen Sprache ist Laith Al-Deen treu geblieben: „Wieso auch nicht? Deutsch ist wortgewaltig. Ich denke nur an Poeten wie Rilke oder Heine. Nicht so pathetisch wie das Arabische. Deutsch kann auch ironisch und bissig sein, ganz leise, aber auch sehr laut.“

Die Songs auf „Was wenn alles gut geht“ sind Aufstehlieder, Mutmachmelodien, rockige Aufforderungen, Licht zu sehen. „Etwa 80 Prozent des Albums werde ich auch auf der Tour spielen. Dann bleibt noch genug Zeit, alte, liebgewonnene Klassiker rauszukramen.“ Titel wie „Alles an dir“ oder „Dein Lied“ gehören zum Obligatorischen. Doch live wird bei ihm schnell aus einer Pop- eine Reggae- oder Elektro-Nummer. „Meine Vorbilder sind Curtis Mayfield, James Brown, Faith No More und Iron Maiden“, verrät der Sänger. Welches Lied von ihm er gern gecovert hören würde? „Alles. Nur bitte nicht ,Bilder von dir‘.“

„Mir ist es wichtig, immer wieder neue Wege einzuschlagen. 2016 würde ich gern eine Heavy-Metal-CD rausbringen. Irgendwas zwischen Metallica, Fu Fighters und AC/DC. Das wird komisch aussehen, sich komisch anhören und vermutlich niemanden interessieren. Mir egal.“ Laith Al-Deen hat genug von Prognosen. Was er sich für die Tour wünscht? „Keine Ahnung. Ich bin vom Spekulanten zum Langweiligantworter ohne Vorsätze geworden. Ich plane nicht mehr. Es kommt eh alles anders, als man denkt“, sagt er.

Für unentschlossene Konzertgänger feuert er spitzbübisch noch ein Argument hinterher: „Wenn die Musik nicht euer Ding ist: Wir sind reife, schicke Männer jenseits der 40. Das ist auf jeden Fall was fürs Auge.“

‹ Laith Al-Deen ist am 25. Januar, 20 Uhr, in der Batschkapp Frankfurt zu sehen. Am 25. September kommt er ins Amphitheater nach Hanau. Karten ab 33,70 Euro gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Vor-Band ist der Deutschpop- Newcomer Alex Diehl.

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