Laith Al-Deen in der Batschkapp

Wiedersehen macht Freude

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Laith al Deen

Frankfurt - Das letzte Konzert von Laith Al-Deen im Rhein-Main-Gebiet liegt drei Jahre zurück. In der Zwischenzeit lief beim 42-Jährigen nicht viel zusammen. Ausgebrannt, musikverdrossen und irgendwie am Ende eines Weges. Von Eva-Maria Lill 

Nach dem Cover-Album „Sessions“ (2009) und dem halbgaren „Der Letzte deiner Art“ (2011) haben ihn vielleicht viele nicht vermisst. Charthörer kennen sowieso nur seine bekanntesten Stücke „Bilder von Dir“, „Dein Lied“ und „Alles an Dir“. Die spielt Al-Deen auch in der ausverkauften Frankfurter Batschkapp. Während er seinen ersten Hit bloß routiniert herunterhuscht, glänzt „Alles an Dir“ mit stimmigem Gitarrensolo und rockigem Beat. Wer seine Konzerte kennt, wird davon kaum überrascht: Was aus der Dose mitunter etwas dünn klingt, wird auf der Bühne zur rotzigen Hymne.

Der Unterschied von weichgespülter Tonstudio-Suppe und Live-Offenbarung ist beim neuen Album „Was wenn alles gut geht“ nicht ganz so ausgeprägt. Denn mit dem neuen Produzenten Peter Keller hat das Konzertgefühl Einzug ins Studio gehalten. Titel wie das sphärische „In meiner Nähe“ oder „Volle Kraft“ klingen auch auf der heimischen Anlage kernig-weich. Gleich zu Beginn setzt Al-Deen mit dem Stimmungs-Kracher „Was wenn alles gut geht“ ein markantes Ausrufezeichen. Die Fans danken es mit Jubel und Feierlaune. Höhepunkt ist das funkige „Nur wenn sie daenzt“. Tausendstimmiger Gesang.

Rockiges Comeback

Neben Neuem und Obligatorischem zaubert Al-Deen auch Überraschungen: „Tage fallen wie Blätter“, „Näher“ und „Unversehrt“ kennen Fans bereits von alten Alben, aber nicht von Auftritten. Dabei gibt es kein falsches Pathos, aber auch wenig echtes Gefühl. Dennoch spürt das Publikum, wie sehr Al-Deen seine musikalische Rückkehr genießt. In den spontanen Momenten ist er ein bisschen wiedergefundener Junge, ein bisschen reinkarnierter Superman. Mit erstaunlicher Energie bringt er in über 130 Minuten mehr als 1 500 Besuchern zum Schwitzen. Das Comeback ist rockig, entschlackt, rebellisch. Doch obwohl viele Balladen auf dem Programm stehen, vermisst man echte Gänsehaut.

Ausgerechnet die Zugabe schwächelt: Bloß drei Titel setzt es nach ekstatischem Dauerklatschen, davon mit „In meiner Nähe“ und „Frühling“ zwei seichte Neulinge. Die Batschkapp brodelt nicht, das Publikum wird mit Sparflamme nach Hause gekocht. Zumal der Gassenhauer „Jetzt, hier, immer“ mit bloß einer Gitarre viel an Tempo verliert. „Wenn gestern heute wär’“ liefert dann eine weitere Facette des neuen Albums. Der von Peter-Maffay-Gitarrist Peter Keller geschriebene Song erinnert frappierend an die Nummern des Alt-Rockers. Dessen Einfluss ist nicht von der Hand zu weisen: Spätestens, wenn Al-Deen in der Menschenmenge zum kollektiven Schulterklopfen ansetzt und soziale Projekte preist. Herzen erobert hat hingegen Alex Diehl, der das Vorprogramm bestritt und als netter Typ von nebenan mit sanfter Stimme und eingängigen Melodien begeisterte.

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