Launiger Existenzialismus

Den Stecker rein, den Verstärker bis zum Limit aufgedreht. Und dann – nein, dann brechen die Japandroids nicht gleich los. Vielmehr schwelt der Gitarrensound erst einmal für eine ganze Weile vor sich hin. Eine mit Erwartung geschwängerte Spannung baut sich auf. Dann aber geht es los. Brachial? Schon. Freilich auf eine eher federnde als harsche Weise. Von Stefan Michalzik

Die Japandroids, die im Offenbacher Hafen2 gastierten, klingen mächtig – sind aber nur zu zweit. Brian King, dessen Gesicht immer wieder hinter den Locken verschwindet, ist Sänger und Gitarrist, der vollbärtige David Prowse spielt Schlagzeug und singt vorwiegend im Hintergrund. King ist es auch, der fast alle Songs schrieb.

Die beiden aus dem kanadischen Vancouver stammenden Jungspunde folgen einem Modell, mit dem die White Stripes vor nicht ganz zehn Jahren in einem begrenztem Maße Schule gemacht haben. Den White Stripes geht es um eine Dekonstruktion des Bluesrock. Die Japandroids belassen einen Stein auf dem anderen. Ihre pophistorische Bezugsgröße ist der US-Hardcore der Achtziger Jahre, der die ungleichen Brüder Metal und Punk zusammenbrachte.

Die Japandroids beweisen Gespür für eine wirkungssichere Dynamik. „Post Nothing“, das im vergangenen Jahr erschienene Debütalbum, aus dem sich das Gros des Konzertrepertoires speist, ist das Manifest eines Aufbruchs ohne klar definiertes Ziel. „The Boys Are Leaving Town“, die Jungs verlassen die Stadt. Die „Rockers East Vancouver“, so lautet ein anderer Songtitel, sind zwar viel losgezogen und haben ihre Traurigkeit und auch den Alkohol mit guten Freunden geteilt, doch nun geht es darum, den Ort der Adoleszenz hinter sich zu lassen, und mit ihm die „old youth“, die abgelebte Jugend. „Crazy Forever“ lautet die Devise.

Es ist mithin keine Melancholie, die die Japandroids mit ihren gischtschäumend vorgetragenen Songs verbreiten, sondern vielmehr ein launiger Existenzialismus. Im Grunde ist die Musik natürlich altmodisch. Nicht aber altbacken – und das ist das Entscheidende.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare