Leben als lange Straße ins Glück

Rue Royale sind ausgesprochene Leisetreter. Die Stücke des Folk-Duos, das vor kurzem von Chicago ins britische Birmingham übergesiedelt ist, sind spartanisch instrumentiert: Zwei Stimmen, begleitet von der akustischen Gitarre. Manchmal nicht mehr als das. Meist dazu Schüttel- und andere Perkussion, mitunter die Bassdrum oder ein Glockenspiel. Von Stefan Michalzik

Die Musik verströmt zwar die verhangene Stimmung eines regnerischen Nachmittags. Rue Royale vermochten freilich auch im strahlenden Sonnenschein auf der Wiese des Offenbacher Hafen 2 von der ersten Minute an zu bezaubern. Und das bis zur Zugabe – womit wieder einmal bewiesen wäre, dass es nicht zwangsläufig abträglich sein muss, wenn eine Nummer sich nicht stärker von der anderen unterscheidet.

Nichts ist so schön wie gepflegte Melancholie: Das ist eine weitere alte Weisheit, die sich an diesem Spätnachmittag bestätigte. Die großen melodischen Bögen schlagen der Gitarre und Bassdrum spielende Brookln Dekker und die Engländerin Ruth, die das Schlagwerk handhabt, nicht. Ihre Songs um Liebe, Leben, Glück und Leid sind mit viel Finesse gemacht.

Alles ist stimmig: Text, Musik, Gesang. Im Grunde handelt es sich um Popsongs im Volksgewand, denen ein untergründiger oder, wenn die Bassdrum ins Spiel kommt, auch offener Groove eigen ist. Das Leben ist eine lange Straße, wenn es nach der Rue Royale geht. Selten klang Musik derart entspannt.

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