Lebende Legende in Hochform

Von der Bühne heiße Rhythmen wie in einem kubanischen Ballsaal. Vom Himmel kühles Nass, das jedoch keinen Vergleich mit karibischer Regenzeit erlaubt. „Es wird nicht schlimm“, hat der Wetterdienst aus Offenbach übermittelt – und er soll recht behalten. Von Markus Terharn

2 200 Gäste im Cuvéehof von Schloss Johannisberg genießen das Freiluftkonzert des Orquesta Buena Vista Social Club beim Rheingau Musik Festival erst mit, dann ohne Capes.

Es ist ein Mehr-Generationen-Ensemble, das die Leute mit Son und Danzón, Cha-Cha-Cha und Bolero ein ums andere Mal von den Stühlen reißt. Zu den lebenden Legenden aus Wim Wenders’ Film von 1999 gesellen sich junge Kräfte, die sich bruchlos einfügen. Zum Beispiel Sänger Carlos Calunga, der um seine sich anmutig bewegende Kollegin, „La Princesa“, balzt.

Doch das Publikum ist wegen der Alten da. Und die bekommt es, in Hochform: Guajiro Mirabals Trompete hat nichts von ihrem silbrigen Glanz verloren. Barbarito Torres spielt die zwölfsaitige Laud atemberaubend fingerfertig, sogar hinter seinem Rücken. Und der superlässige Bandleader Jesús Aguaje Ramos steuert so gefühl- wie temperamentvolle Posaunensoli bei.

Aber die wunderbare Omara Portuondo stellt sie alle in den Schatten. Ihr Auftritt im orangefarbenen Kleid ist ein Gänsehaut-Moment. Für drei Lieder angekündigt, singt die bald 79-Jährige einschließlich Zugabe sieben Nummern. Ihre Präsenz ist bezwingend, ihr „Quizás“ trällert die Menge hingerissen mit. Ovationen!

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