Alben der legendären Rockband

Led Zeppelin: Sprachlos im Offenbacher Sprachlabor

+
Beginn einer Weltkarriere: John Bonham, John-Paul Jones (u.), Jimmy Page und Robert Plant im Jahr 1969

Offenbach - Irgendwann in der grauen Vorzeit der Jahre 1971 oder 1972 füllt bis dahin Unerhörtes die Kopfhörer im noch neuen Sprachlabor des Offenbacher Leibnizgymnasiums. Von Thomas Kirstein

Wo an diesem Morgen von der sich selbst überlassenen Klasse 8d eigentlich französische Sätze nachgesprochen werden sollen, bohrt sich ein kreischender, die Männlein-oder-Weiblein-Frage aufwerfender Falsett in die Gehörgänge: „Hey, hey, Mama said the way you move...“. Für die meisten der Quartaner oder Untertertianer ist das, was der schon etwas weiterentwickelte Klassenkamerad eigenmächtig auf den Plattenteller gelegt hat, die erste Begegnung mit Pionieren, die die populäre Musik bis heute wie wenige andere beeinflussen sollen. Led Zeppelin dröhnen da, mit 45 Umdrehungen macht die Single-A-Seite „Black Dog“ sprachlos im Sprachlabor.

Diese erste Begegnung mit einem Produkt von Jimmy Page, Robert Plant, John Bonham und John-Paul Jones hat Hörgewohnheiten verändert. „Black Dog“ eröffnet die vierte Zeppelin-Scheibe, die mit dem Allzeit-Heuler „Stairway To Heaven“ und keinerlei Hinweis auf die Urheber. Dank ein paar Monate später zusammengekratztem Taschengeld steht sie seitdem als stark strapaziertes Vinyl im Plattenschrank. Die drei Vorgänger-Aufnahmen fanden dank älterer Mitschüler-Brüder schnell auf Agfas C90-Low-Noise-Kassetten für den Philips-Recorder 2202 (mit externem Netzteil) und sind längst als Bandsalat geendet. Led Zeppelin II, die mit dem Kracher „Whole Lotta Love“, existiert aber noch als spätere, ziemlich ramponierte Flohmarkt-Erwerbung.

Akribische Arbeit

Als die CD ihren Siegeszug vollendet hat, gibt’s 1990 die Doppel-Version „Remasters“, ein Best-of mit 26 digital aufgefrischten wichtigen Titeln der 1980 offiziell beerdigten Großmutter aller Hard- und Heavyrock-Bands. „Communication Breakdown“ von diesem Silberling hat damals, entsprechend in der Offenbacher Altbauwohnung aufgedreht, genügend Kraft und Signalwirkung, um ein Stockwerk tiefer frühes Techno-Gestampfe verstummen zu lassen. Der persönliche Zeppelin-Hangar scheint auch 41 oder 42 Jahre nach der ersten Landung ausreichend bestückt; der Musikgeschmack hat sich zwischenzeitlich in viele Richtungen weiterentwickelt. Braucht es da noch Neuanschaffungen?

Und ob! Dass sich Gitarrist Jimmy Page die alten Bänder akribisch vornimmt, sie neu digitalisiert, klanglich säubert und alle neun Original-Platten jeweils mit Bonus-Material veröffentlicht, bedient nicht nur die Jugendnostalgie alter Säcke. Die ersten drei LPs (I, II, III) sind erschienen, jeweils plus Zusatzplatte mit bislang unbekanntem Material (unter anderem ein 1969er Konzert in Paris, verworfene Aufnahmen, Testversionen, sogar ein paar unveröffentlichte fertige Songs).

So wirkt Musik auf unseren Körper

So wirkt Musik auf unseren Körper

An allererster Stelle steht aber der neue Sound. Der haut einen dank Klarheit und Druck förmlich weg. Man kriegt selbst bei unterer Stufe fast Angst um seine Boxen und das gute Verhältnis zur Nachbarschaft, im Auto lässt die Audioanlage die Karosserie vibrieren. Im Vergleich dazu klingen die Vinyl-Originale ziemlich und die CD-Remasters leidlich fad. Es scheint, als hätte Page beim Restaurieren eine dämpfende Decke weggezogen. So frisch und wuchtig jedenfalls hat Zeppelin noch keiner gehört: Damit kann mancher Tonband-Opa die Digital-Enkel verblüffen. Jetzt wird auf den zweiten Schwung gewartet. Mit der legendären „Vier“, die nicht so heißt, und mit „Black Dog“: Vielleicht ist ja dann mal das kurz Sprachlabor in der Leibnizschule frei.

Led Zeppelin, „Remastered Deluxe Edition I-III“, Warner Music, jeweils 16.95 Euro

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare