Legende lebt im Licht

Auch dieses Konzert wird vorbeigehen. Bereits jetzt steht fest, dass eine Coverband wie Off the Wall nie auch nur annähernd so gut sein kann wie die echten, die einzigartigen, die unerreichten Pink Floyd. Also Augen zu, in den unbequemen Sitzen der Alten Oper zurückgelehnt und durch.

Wird schon nicht so schlimm werden.

Es beginnt mit einer Lichtshow, bei der die Band sich vor einen großen Scheinwerfer stellt. Musikersilhouetten. Ziemlich schwaches Bild. Die echten hätten mindestens eine Explosion zu Stande gebracht. Dann Licht aus, Laser an, Nebelmaschinen Vollgas. Nicht schlecht, was die Bühnentechnik im ehrwürdigen Haus zustande bringt.

Und dann sind sie plötzlich da, die sphärischen Klänge. Drücken das Publikum mit Wucht in die Polster. Alle Sinne sind gespannt, sehnen sich nach dem erlösenden Donnerschlag. Gestalten springen im Dämmerlicht auf der Bühne herum. Blitze zucken, zu kurz, um Gesichter zu erkennen. Eine abstruse Hoffnung keimt – dass Roger Waters, David Gilmour, Nick Mason und Richard Wright vorn auf der Bühne stehen. Der Sound könnte passen. Da kommt der Erlöser. Die Base Drum donnert, Stille, Licht an. Die Illusion ist vorbei.

Da vorn stehen sie wieder, die neun Musiker um den kleinen Frontmann Andy Gibson, der ein viel zu enges Hemd trägt. Nebensächlichkeiten. Alle Zweifel sind verflogen. Es braucht nur einen Wimpernschlag, um zwischen Original und Off the Wall hin und her zu wechseln. Als die Zeiger der Uhr wie von Geisterhand plötzlich auf 22.45 Uhr stehen, krönen Off the Wall ihre bombastische Revival-Show – wie zu erwarten – mit dem Gassenhauer des Pink-Floyd-Gesamtwerks: „Another Brick in the Wall“.

Plötzlich brechen beim zurückhaltenden Publikum die Dämme. Alte Männer springen auf und jubeln ihren Helden zu. „We don’t need no education.“ Sogar die vielen Ehefrauen, die ihren Gatten zuliebe mitgekommen sind, geraten in Euphorie, entledigen sich ihrer Kostümjacke, klatschen erst zurückhaltend im Takt zu Ben Applebys Saxofonsolo, dann frenetisch. Als der letzte Synthi-Donner verhallt und der Beifall verebbt ist, ist nur noch verhaltenes Tuscheln zu vernehmen, als ob den Damen und Herren ihre ekstatische Entgleisung ein bisschen peinlich wäre.

Für Off the Wall ist das ein Kompliment. Sie haben erreicht, was eine Coverband erreichen sollte: Die Legende lebte – wenn auch nur für zweieinhalb Stunden. CHRISTIAN REINARTZ

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