Bis zur Legende ist es noch weit

Eigentlich schien das Thema Eine-Frau-Schau mit den verstorbenen Diven Hildegard Knef, Marlene Dietrich und Helen Vita endgültig abgehakt. Doch weit gefehlt! Scheut doch die mit massiver Hartnäckigkeit ausgestattete Quasselstrippe Barbara Schöneberger keine Mühe, sich auf Augenhöhe etablieren zu wollen, und strebt den unerreichten Legenden in der voll besetzten Frankfurter Alten Oper erfolgreich nach. Von Ferdinand Rathke

Mit nicht ganz ausgereifter Stimme, mitunter zur Ausuferung neigender Plauderei, einem zum großen Teil eigens für sie entworfenem Repertoire, aber auch diversen Ausrutschern unterhält die gebürtige Münchenerin, die laut eigener Aussage nach zehn Semestern ihr Studium abbrach und es bis heute nicht bereute, auf recht hohem Niveau – auch wenn für sie momentan noch gelten dürfte: Der Weg ist das Ziel.

„Ich freu mich“, lässt Frau Schöneberger ihr Publikum wissen, wenn sie mitten im Intro des Berlin Pops Orchestra sich mal eben aus der Garderobe zuschaltet. Einmischen ist ja geradezu eine Spezialität der 35 Jahre alten Moderatorin, die in zahllosen TV-Formaten mehr oder minder optimal glänzte, sich aber derzeit vor allem die „NDR-Talkshow“ und nahezu sämtliche verfügbaren Trophäen-Galas unter die scharfen Krallen gerissen hat.

Prinzipiell als Fortsetzung ihrer viel gepriesenen Reihe „Blondes Gift“ empfehlen sich die auf Spontaneität zielenden, aber dennoch auswendig gelernten Überleitungen. Da teilt sie aus an alle und jeden. Ganz besonders aber an sich selbst, wenn sie sich schon zum Auftakt mit wie Pfeile treffenden Verbalinjurien beschenkt: „Warum geht die dicke Moderatorin aus dem Dritten nicht in die Volksmusik?“, fragt sie voller Selbstironie.

Weniger Swing, mehr Philly Soul

Beantwortet wird die Frage von Madame indirekt selbst, wenn sie in üppigen zweieinhalb Stunden dreimal die Abendroben wechselt, von Mal zu Mal bissiger agiert und zwischendurch auch das Singen nicht vergisst, wenn Orchesterleiter Joris Bartsch Buhle flockig arrangierte Lieder mit lässigem Fingerschnippen startet.

Weniger Swing, mehr Philly Soul hat Schöneberger im üppigen Programm unter dem Motto „Nochmal, aber anders“ und tönt dabei mitunter wie ein Echo von Marianne Rosenbergs „Er gehört zu mir“. Eine noch immer flotte, eigens für den deutschen Vorentscheid des Grand Prix konzipierte Tanznummer, die 1975 vorzeitig ausschied, über Dekaden Kultstatus erreicht und sich zur Hymne für gleichgeschlechtlich Gesinnte entwickelt hat. Homosexuelle finden sich in erklecklicher Zahl auch im Auditorium, wie die Schöneberger unumwunden feststellt.

Bis auf das schwule Zugeständnis „Ich steh’ auf Jungs“ befassen sich von Könnern ihres Metiers wie Pe Werner, Frank Ramond, Matthias Heß und William Wahl verfasste Songs dennoch vorzugsweise mit dem nicht immer einfachen Beziehungsgeflecht zwischen Mann und Frau: „Verboten gut“ steigert opulent das Tempo. „Denk jetzt bitte an ein Nilpferd“ plätschert als Bossa Nova gemütlich dahin. Marilyn Monroes Faible für teure Accessoires wird in „Glitzer“ neu aufgelegt. „Liebesleben“ behandelt wohl nur fiktiv das eigene der seit kurzem verheirateten Akteurin, während „Alles echt“ nur ein Thema kennt, dessen die Schöneberger allerdings nicht müde wird, sich damit auseinander zusetzen: ihre holde Wenigkeit.

Eine ordentliche Portion Selbstverliebtheit gehört eben dazu, wenn sich eine über ihr Geplapper definierte Prominente vornimmt: „Jetzt sing ich auch noch.“

Rubriklistenbild: © dpa

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